Colodri: Via Giovanni Segantini (8)

In einer Dreierseilschaft waren Alfred, Marcel und meine Wenigkeit in der Tour „Via Giovanni Segantini“ an der Colodri-Ostwand unterwegs. Mit nur neun Seillängen erscheint sie nicht lang, gehört aber zum anhaltendsten in Punkto Schwierigkeit und Schönheit, was ich so bislang in einer Mehrseillängentour erleben durfte.

Seillänge 1

Die Via Giovanni Segantini ist eine ungemein abwechslungsreiche Tour; ihr Name ist eine Hommage an einen 1858 geborenen Künstler aus Arco. Erstbegangen in 2008 durch Massimo Antonini und Giampaolo Calzà, ist sie gut mit Bohrhaken abgesichert. Die vorletzte (8.) Seillänge hat historische Bedeutung und einen eigenen Namen („Specchio delle mie brame“, soviel wie „Spiegel meiner Wünsche“), denn diese wurde 1982 vom legendären Heinz Mariacher und Roberto Bassi erstbegangen und im Sportkletterstil von oben eingebohrt, was damals ein Novum im Sarcatal darstellte.

Am Fisch geht`s los

Sechs der neun Seillängen sind im unteren 8. bzw. 8. Grad angesiedelt, Ausdauerkletterei. Nach dem grauen, plattigen, mit einem Fischsymbol gekennzeichneten Wandl beim Start geht es zur Sache. Harte, wunderbare Züge mit wenig zum treten, anhaltend und zugleich technisch ohne Ende, die Länge ist mit 8 bewertet. Fels gelb, mit Schuppen und scharfen Tropflöchern. Das setzt sich in SL2 (8-) fort, mit einem furiosen, boulderigen Finale hoch zu einem Band, bis zum Schluss ist Leistenpower und gutes Stehen gefragt. Die Stände sind fast immer bequem. SL3 (8) mit Bandsturzgefahr, die Hakenabstände dummerweise gerade hier nicht zu nah.

SL2

SL4 (8-) schwer vom Stand weg, dann auf einmal großgriffige, steile Kletterei mit einem athletischen Überhang, der von einer großen Sinter-Sanduhrsäule startet. Oberhalb des Wulstes brüchig, obacht. Die letzten Meter zum Stand nochmal knifflige Wandkletterei. SL5 (7+/8-) – ein krasser, pumpiger, sensationeller Fingerriss, der leicht überhängend kerzengrad nach oben strebt. Oft passen nur die Finger rein, Klemmen ist nicht immer möglich, daher muss man doch öfter piazzen; das Teil saugt einen als 5. Seillänge im achten Grad einfach nur aus, was auch an der Länge von fast 40 Metern liegt. SL6 (7-) – „endlich“ leichtere, ausgesetzte Kletterei an einer Kante entlang, auch mal brüchig. SL7 immer noch nicht schwer, SL8 (8-/8) dann nochmal anhaltende, trickreiche Kletterei mit grandiosen Moves und einem kniffligen Aufsteher — die besagte „Mariacher/Bassi-Länge. Auch die Ausstiegslänge (6) wartet nochmal mit einem netten Riss auf.

Schiebt man sich dann mit glühenden Unterarmen endlich über die karstige Kante des Colodri und lässt den Blick über die grandiose Landschaft mit Arco ganz klein unten, dem Burgfelsen und weit hinten dem Gardasee und dem Monte Baldo schweifen, stellt sich schon sowas wie ein erhabenes Gefühl ein über so eine tolle, anhaltende Route und die Erkenntnis, sie gerade geklettert zu haben. Der Abstieg erfolgt dann in nur 30 Minuten über den leichten Colodri-Klettersteig.

SL1 von oben
SL2

Eine Quelle: https://www.planetmountain.com/english/rock/routes/itineraries/scheda.php?lang=eng&id_itinerario=841&id_tipologia=38

Topo der Tour: https://www.bergsteigen.com/touren/klettern/via-giovanni-segantini/

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