Benediktenwand: Lebe Deinen Traum (7)

Genussvolle Mehrseillängen-Kletterei in einer Nordwand weniger als eine Autostunde vom Münchner Süden weg: Die Benediktenwand, die größte Wand der bayerischen Voralpen, bietet mehr als nur nasses Schrofen- und Grasgelände. Alfred und ich wiederholten „Lebe Deinen Traum“ (7), eine 2009 eingerichtete Route in herrlichem Fels und mit weniger Gemüse als es zunächst von unten aussieht.

 

Vom Münchner Süden/Südwesten aus ist man über die Garmischer Autobahn wirklich ratzfatz da, jedenfalls am Ausgangspunkt beim Alpenwarmbad in Benediktbeuern. Wir hatten die Räder dabei und strampelten erstmal die stellenweise gar nicht so unsteile Forststraße hoch (ca. eine Stunde). Am Radlparkplatz (Materialseilbahn) geht es nochmal eine weitere halbe Stunde hoch zur Tutzinger Hütte. Dort kann man Wasser auffüllen und ist in weiteren 5-10 Minuten am Wandfuß.

Der Fels begeisterte uns schon in der ersten Seillänge. „Wasserzerfressen“ passt hier mal wieder, extrem rauh, immer wieder Schuppen und Löcher, an das Gestein der Reiteralpe (Berchtesgaden) erinnernd. Der Fels ist überwiegend kompakt und es gibt nur wenige bröslige Stellen, meist bei den Ausstiegen kurz vor den immer komfortablen Ständen. Die Route ist einwandfrei, an den schwereren Stellen fast schon im „Plaisierstil“, eingebohrt, Friends und Keile kann man meiner Meinung nach zu Hause lassen. Was auf alle Fälle an den Gurt gehört sind ein paar längere Exen und „Alpinexen“, damit kann man den Seilzug schon gut entschärfen. Obwohl es in den Tagen zuvor den ein oder anderen Regenguss gegeben haben muss und auch „suppige“ Stellen in der Wand von unten auszumachen waren, hat uns die Feuchte in der Route einfach nicht tangiert. Erstaunlich ist auch in einigen Seillängen die Steilheit für den jeweiligen Grad. Man braucht durchaus an einigen Stellen Kraft (erste SL gleich vom Einstieg weg, an den etwas abdrängenden Bäuchen der folgenden Seillängen, aber auch in der 6., 8. und 10. Seillänge kann man nochmal hinlangen). Die Kletterei ist insgesamt sehr homogen und spielt sich hauptsächlich im oberen 6. und unteren 7. Grad ab. Die siebte „Schlüsselseillänge“ ist mit glatt 7 bewertet und die Bohrhaken sind hier im Kletterhallenabstand einperforiert, man kann aber immer gut stehen. Diese Seillänge geht noch am ehesten mit dem Prädikat „plattig“ durch, alle anderen haben mit „Platten“ nichts zu tun.

Das Gras-/Schrofengelände nach der 5. Seillänge (Achtung: Stand an dem Baum nach vielleicht 25 Metern! Grade rauf weiter oben gibt es Bohrhaken, die zum Weitersteigen verleiten, aber nach dem Baum-Stand geht es ungesichert auf einem Pfad nach rechts und dann ca. 100 hm hoch über Gras und Schrofen bis zum Einstieg [Bohrhakenstand mit alter Schlinge] in den zweiten Teil der Tour) ist gut zu gehen, trittsicher sollte man aber sein und auch möglichst wenig Steine runterräumen.

Summa summarum eine wunderbare Tour (ein Dankeschön an die Erschließer), nach der sich ein Gipfelbesuch und die Einkehr in die Tutzinger Hütte lohnen. Nicht unanstrengend in ihrer Gesamtheit (Radeln, Aufsteigen, Klettern, Absteigen, Runterradeln) und durchaus tagfüllend. Wunderbar ist auch das Ambiente: überhaupt kein Autolärm, nur von der Tutzinger Hütte hört man beständig das Gemurmel der Gäste und hin und wieder die Wirtin, welche z.B. mit „Nummer 25“ die Ausgabe des fertigen Essens rausschreit.

Hier noch, falls es jemanden interessiert, ein paar Worte zu den einzelnen Seillängen:

1. SL 6+ 45m, Zwischenstand möglich, wasserzerfressen, steil, gleich ein Bauch beim Einstieg, danach genussvolle Henkelei
2. SL 6+ abdrängend 25m geil weiter ähnlich wie unten
3. SL 7- kurz 15m zwei, drei etwas abdrängende Bäuche. Gleich vom S weg mal keine Henkel mehr.
4. SL gemütlich weiter, weniger Bäuche, mannkann alles wegstehen.
5. SL 5 und dann Gras, Gras, Gras. Stand eigentlich am Baum, aber bin grad hoch – dort nochmal 2 Haken, und von da grad hoch, aber das ist falsch. Wieder runter, weit rechts dann 5-7 BH im Verbund (vermutlich Bergwacht), dort Sand gemacht. Ab dort Gehgelände, eine steile Rinne hoch (barfuß oder Zustiegsschuhe)
Am Ende der Rinne (100hm) Stand mit alter Schlinge.
6. SL etwas gesucht über einen Bauch mit Löchern
7. SL Anhaltend im unteren 7. Grad, man kann immer gut stehen, spreizen hilft.
8. SL Eine Verschneidung hoch, steil für den 5. Grad, 3 BH auf 20m
9. SL Unspektakulär, eine Rechtskurve, trotz nur 25 m viel Seilzug, wenn man alle Haken einhängt/nicht verlängert.
10. SL Nochmal kraftig, 6+, sogar bissl piazzen
11. Ausstiegsseillänge hauptsächlich über Gras, oben Sichern an der Latsche

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