Oberammergau, Kofel Südwand: Stinkverschneidung (3-4 SL, 7-)

Wir wollten die Südwand des Kofels auschecken, laut Kletterführer von Robert Heiland „Das schönste Klettergebiet am Kofel“. Es wurde die kurze Mehrseillängenroute „Stinkverschneidung“, deren erste drei SL wir richtig genossen haben, wobei uns die vierte nicht möglich war – eine kleine Episode für sich.

An diesem Montag, Brückentag, keine Sau unterwegs, jedenfalls keine Kletterer. Die Kofel Südwand enpuppt sich als ganz schön langer, bis zu 100m hoher Felsriegel. Dort, wo der Wanderweg das erste Mal richtig nahe an den Fels heranrückt (vielleicht 30 Minuten vom Parkplatz weg), gibt’s die ersten Routen, fast alle in den oberen Schwierigkeitsgraden bis 10-. Nach weiteren 5 Minuten steil am Wandfuß entlang fanden wir den Start der kurzen Mehrseillängentour „Stinkverschneidung“ mit 3 (4) Seillängen und den Graden 7-;6+;7-;7-/A1. Im Topo steht, man bräuchte „einen Satz Klemmkeile und 1er Cam“ – wir haben sie nicht gebraucht, denn die Route ist gut eingebohrt, waren aber dann über den Klemmkeilentferner froh…

 

Schon die Einstiegsseillänge über einen Plattenvorbau an einer schräg nach links ziehenden Rissspur entlang ist nicht geschenkt und pumpt. Oben gibt’s nochmal ne knifflige Platte. Vom Stand klettert man in die 2. Seillänge erstmal runter, bevor es nach einer etwas heikleren Stelle in eine kurze 6+ Verschneidung mit nicht ganz festem Fels geht.

 

Und dann das Highlight der Tour: die dritte Seilllänge mit der „Stinkverschneidung“, eine lange, pumpige Kletterei, die man teilweise piazzend absolviert.

Die „Stinkverschneidung“, 7-, schön, anhaltend, kraftig, super!

Immer sind gute Griffe da, und das ein oder andere Mal kann man sich auch im Spalt verklemmen und bissl schütteln. Diese Rissverschneidung gehört sicher zu den schöneren ihrer Art, die ich bislang klettern durfte – z.B. die in der „Blue Moon“ war auch sehr schön, in den Dolomiten in der „Micheluzzi“ die Buhl-Verschneidung, oder in der Alpawand in „Earth“ die klassische „Dürnberger Verschneidung“. Auf der Nordseite des Kofels im Klettergarten „Marienwand“ gibt es die Sportkletterroute „Stonefighter“, mit 7+ noch ein bissl schwerer, aber sicher ebenso genial.

 

Oben vom Stand geht es in einen Quergang rechts weg in die letzte Seillänge, der im Topo als „Seilzugquergang“ (A1 – also mit Trittschlingen oder sonstigen technischen Hilfsmitteln) angegeben ist. Wir sahen schon, dass es da kaum Tritte gab, zw. erstem und (nicht zu sehendem) 2. Haken. Auch das Clippen des 1. Hakens war schon nicht leicht, und die Cheetah (lange steife Clipexe) leistete da einmal mehr gute Dienste. Dachten wir.

 

Kein Land gesehen hier: letzter Haken, danach erstmal ewig nix…

Denn dann war da kein Weiterkommen. Bruno flog bei zwei Versuchen, und schlug sich beim 2. Mal das Knie böse an – der Pendler gegen einen Wulst unter dem Stand war fast unvermeidlich. Der nächste Haken ist nicht mal zu sehen und sicher zweieinhalb Meter weit weg. Ich verspürte kein gesteigertes Interesse, es Bruno nachzutun. Doch wie abbauen? Die (runde) Öse des alten Plättchenhakens war so klein, dass Bruno kein Rebschürl durchbekam. Haken abbinden war nicht durchführbar. Die Lösung des Problems (außer Cheetah drinlassen) war der als „Skyhook“ missbrauchte Klemmkeilentferner.  Das Modell von DMM hat eine so scharfe Nase, dass Bruno sie tatsächlich noch in das Hakenloch bekam, an dem Klemmkeilentferner eine Schlinge mit einem Karabiner befestigte und diese in seinen Anseilring band. Dann vorsichtig

Missbraucht als „Skyhook“: DMM Klemmkeilentferner

belasten, der relativ breite Karabiner der Cheetah ging erst nach mehreren Versuchen raus. Anschließend das Rebschnürl durchgefädelt, verknotet und einen Opferkarabiner dran – dann konnte Bruno mit dickem Knie zum Stand zurückkehren. Wie das mit „Seilzug“ zu machen sein soll war uns schleierhaft, aber wir sind offenbar nicht so die Technokletterer. Wiederholer haben nun das Problem, dass sie erstmal dem Rebschnürl (immerhin doppelt gefädelt) vertrauen müssen.

 
Lieber Robert Heiland, falls Du das liest – erklär uns Unwissenden doch mal wie man da weiterkommen soll.

Anschließend noch – zur Entschädigung – die Sportkletterroute „Kein schöner Land“ geklettert (7/7+); an sich super (schöne strukturierte Wandkletterei unten, tolle Plattenstellen oben mit witzigem Aufrichter vor dem Umlenker), der 1. Haken allerdings weit oben, ein Sturz hätte fatale Folgen (Felsbrockenband, dann weiterfallen) – da täte ein Clipstick not.

Das Bier in der Ettaler Mühle schmeckte dann wunderbar.

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