Osterklettern im Sarcatal

Hi climbers,

das Osterwochenende konnten Aleksander und ich im Sarcatal nahe Arco verbringen. Dort war es zwar weniger warm als erwartet – ich war froh um meinen warmen Schlafsack, denn wir übernachteten im Zelt – aber das Klettern war mal wieder genial.

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Am Karfreitag gingen wir die Mehrseillängentour „Scuarauunda“ am Cà del Liscio direkt beim Ort Dro; am Samstag kurze Mehrseillängenrouten nahe Sarche am Monte Casale an der Wand „Muro dei Meridiani“. Der Ostersonntag war dem Sportklettern im Klettergarten Sisyphos ebenso am Monte Casale gewidmet. Und am Ostermontag ging’s nach Massone, das wohl bekannteste Sportklettergebiet bei Arco.

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Karfreitag, 25.3.2016
Sguarauunda„, 300m, 10SL, 6a, 6c, 6a obligatorisch, gut abgesichert, keine zusätzliche Absicherung nötig. Erst einmal 4 SL schräg über die markante Platte, schöne, nicht schwere Plattenkletterei (eine Stelle 6b, die man mit einem weiten und beherztem Schritt nach unten meistern kann). Nach den Platten über leichte Überhänge und über eine 3er Rampe zu den letzten zwei schwierigeren SL. Vor der 3er-Rampe (6. Stand) könnte man auch grade hoch, Bohrhaken waren drin, sah verlockend aus, mit Sintern, aber wir wussten nicht wie schwer (nicht im Führer beschrieben). 8. SL mit einer 6c Stelle und weiter oben nochmal athletisch und schwer (6b+); beide Stellen können A0, also mit Griff in die Exen überwunden werden. Auch hier – nach der SL #8 – hätte man nochmal grade hochgekonnt mit Bohrhaken, sich aber dann um die schöne neunte SL (ein 6a-Quergang) gebracht.

Am zweiten Stand hatte ich gleich mal mein Abseilgerät + 2 Karabiner runtergeschmissen, landete beim Einstieg. Oben dann über eine Stunde auf die nachfolgende Seilschaft gewartet, um sie zu fragen, ob sie mein Gear dabei hätten. Seilschaft kam nicht, und so sind wir abgestiegen über den kurzen Klettersteig. Wieder unten in den Weinfeldern, bin ich nochmal hoch zum Einstieg – und fand dort das ATC nebst Karabinern an einer Schlinge hängen. Wahnsinn, voll nett von den unbekannten Kletterern – auf diesem Wege ein Dankeschön, falls ihr es zufällig lest.

Fünf ***** hat die Route definitiv verdient.

Samstag, 26. 3. 2016
Muro dei Meridiani. MSL-„Sportklettergarten“ bei Sarche, gegenüber dem Picolo Dain, gleich nach der Brücke, noch eine Wand oberhalb eines „normalen“ Klettergartens. Wunderschöne Ostwand, dort fünf Routen, drei davon mit je drei SL und zwei mit je vier.

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Die ersten drei seilt man ab, die beiden weiteren steigt man über den Wanderweg ab. Alle im selben homogenen Schwierigkeitsgrad – 6a bis 6c, bis auf „New Entry„, die ein wenig leichter ist, 90m, 3SL, 5c, 6a+, S1 (Angaben aus dem Kletterführer von Diego Filippi, „Hohe Wände bei Arco“). S1 heißt: abgesichert wie in der Halle, und so war’s auch. „New Entry“ war wirklich traumhafte, nicht schwere Kletterei mit allem, was man so mag: Platten, Untergriffe, Schuppen etc., Fels superfest, tw. Tropflöcher. Zweite MSL des Tages: „Popol Wuh„, 80m, 3SL, 6b+, 6a obl, S1. Letzte SL sehr ausdauernd schwer und lang. Abseilen mit dem 60m Doppelseil in einem Rutsch möglich. Tolle Blicke auf das Sarcatal und auf den Toblino-See, leider ist die Straße sehr laut und die Italiener heizen da ziemlich. 2016-03-25_Klettern_Arco_Ostern_16Für die „Euphorya“ war’s uns dann zu kalt, zugiger Wind, Sonne schon um die Ecke. Abstieg heikel, wie schon der Zustieg (40 min), sehr steil und rutschig-brüchig, die Fixseile teilweise schon ohne Mantel.

Ostersonntag, 27. 3. 2016
Klettergarten Sisyphos bei Sarche. Etwas weiter links (Ri. Süden) wie gestern. Toller Spot mit kurzem 15 min Zustieg und Routen hauptsächlich senkrecht bis leicht plattig. Viele französ. 6er und 7er. Schon die erste 6a „Vaseline“ war recht schwer und abgespeckt, aber ist halt Aufwärmroute. Daneben schon viel schöner, auch 6a, leichter Überhang oben. Rechts davon 6b, ne Platte. Mit den neuen Schuhen – Red Chili Oktan (Powershopping in Arco! Wo sonst…) – ging das gar nicht: kein Gefühl, Spitze zu hart, kein Grip. Das gleiche nochmal mit den Ocun Ozone geklettert – und siehe da, auf einmal ging’s leicht. Nicht zu fassen, schonwieder Kletterschuhlehrgeld. Dann ne 7a gesucht, aber war alles belegt und ich stieg in „Timothy Leary“ ein, ne 7b. Senkrecht, 22m, kleine Leisten, Schlüsselstellen einmal Mitte und ganz oben. Gekämpft und eigentlich nur zwei „Stürze“ gehabt. Ein zweites Mal probiert toprope, mit den Red Chili, und hier wieder das Gleiche: kein Vertrauen in die Füße, und gleichmal um Welten schlechter geklettert.

Ostermontag, 28. 3. 2016
Und wen treffen wir gleich auf den ersten Wandmetern in Massone beim Klettergarten? Stefan Glowacz, den Inhaber der Marke Red Chili. Ist grad am Sichern, ich spreche ihn nicht auf die Gummimischung seiner Kletterpatschen an :-) Aleks sagt: Servus, den kennt man doch, und Dr. Chili lächelt schief. Wetter grau, kalt, bischen Nieselregen zwischendurch, ein paar Seilschaften, nicht viel los, für Massone-Verhältnisse wohl.

Massone; wenig los :-)

Massone; wenig los :-)

Wir gehen eine 5a, schon ziemlich abgenudelt, alles weiß an den relevanten Griffen; dann gleich ne Route daneben, an den letzten Metern verzweifelt Aleks, ich brauche dann 3 Anläufe (immer wieder abgeklettert von der Schlüsselstelle), bis ich die Stelle habe. Stellt sich als 6c+ „Boulderstelle“ heraus. Mir tun die Hände weh, die Gelenkfalte vom Zeigefinger der linke Hand ist offen und brennt, schon seit vorgestern.

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Aua!

Die ältere offene Stelle am kleinen Finger, linke Hand, ist zwar wieder zu, tut aber immer noch weh bei Druck. Auch unter den Fingernägeln die ein oder andere offene Stelle. Das Chalk trocknet die Haut schon ganz schön aus. Merke, dass ich müde bin und wenig spritzig, Tag vier beim Klettern ist immer kritisch. Stefan G. geht derweil eine Route nach der anderen am Stück, wohl so 7. Franzosengrad irgendwas, und zwar rauf – und runter, beim Runtergehen immer seine eigenen Exen wieder abbauend. Sicher fünf solche langen und leicht überhängenden Routen. Beeindruckend.

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Stefan Glowacz beim Training

Aber noch beeindruckender für mich war die Frau, die trotz ihres Handicaps am Klettern war. Vor solchen Menschen habe ich riesengroßen Respekt.

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Wir suchen uns eine 6b mit einer Überhangstelle. Aleks ist heute dran mit Exeneinhängen, und er meistert den Überhang ohne mit der Wimper zu zucken – ich hab da später massive Probleme, bis ich die Lösung finde -, allerdings geht ihm oben dann der Strom aus, Ausdauer fehlt a bissl. Die hab ich wiederum ganz gut, aber noch nicht perfekt. Ok, die Routen sind auch kraftig, keine Frage. Massone ist zwar abgegriffen, aber nicht abgespeckt, viel besser, als ich erwartet hatte.

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Ganz rechts außen gehen wir die nächste 6b, ebenfalls Überhang, ich bin alle, mit Reinsetzen. Es ist saukalt. Die Hunde der Italiener nerven, ständiges Gewusel und lautes Gebell.

Zum Abschluss gehen wir ein altes Projekt von Aleks, das er nach 17 Versuchen irgendwann Punkten konnte vor 17 Jahren. „Il Ritorno di Ali„, 6b+, ca 25m, eine geile Route senkrecht, leicht schräg nach links sich ziehend, mit zwei Bäuchen und einem No Hand Rest im oberen Drittel. Die Crux: ein fieser Blockierer mit rechts, mit links an einem schlechten Zapfen zwischengreifen und mit Links dynamisch weiter in eine Spalte oberhalb des Bauches, die von unten kaum einsehbar ist. Schwerer Zug, der nen Durchstieg schon arg erschwert. Für mich evtl ne andere Lösung – mit links an den kleinen Griffen blockieren und mit rechts in die Spalte. Fühlt sie möglicherweise natürlicher für meine Füße an, mit den Tritten hatte ich bei Variante 1 Schwierigkeiten. Oben nochmal ausdauernd aber machbar. 6b+ – wahrscheinlich wegen dem No Hander, ansonsten wär’s schon eher 6c oder 6c+.

Ne Erkenntnis von heute: man kann und soll viel trainieren. Aber man muss die Kraft auch an den Fels bringen. Und das lernt man nur beim Klettern selbst. Also: Trainieren – und Klettern! In schwere Routen mit schweren Zügen einsteigen. Scheißegal, ob man ne Chance hat oder nicht und auch, was die anderen denken, wenn man da so rumhängt.

Noch ein paar Buidln:

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Arco: jetzt gibt’s auch einen Laden nur für Müsli- und Energieriegel! Yihaaaaa!

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„Selfie“ mit Picolo Dain im Hintergrund

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Super 6b+ in Massone: „Il Ritorno di Ali“

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Osterfrühstück mit Osterlamm, ein Geschenk unserer Wirtsfamilie Benuzzi-Oberhofer

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Brotzeit á la Trentino. „In den Bresaola könnt‘ ich mich reinsetzen“.

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Aleks genießt seinen obligatorischen Mate-Tee

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Blick auf Dro vom Ausstieg der „Sguarauunda“

2 Gedanken zu „Osterklettern im Sarcatal

  1. Gratuliere zu den schönen Touren!
    Habt ihr eine Empfehlung für die Nächtigung in und um Arco.
    Wir reisen aus Villach an….
    Liebe Grüße
    Christof Graimann

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