Koa „Bayerischer Traum“

Holla,

Anton wollte unbedingt eine Mehrseillängentour machen heute, am besten „Bayerischer Traum“ (8), oben an der Schüsselkarspitze im Wettersteingebirge. Schon letztes Wochenende sei er dagewesen, und da hätt’s wunderbar funktioniert mit dem Klettern, T-Shirt, und überhaupt. Diesen Sonntag klappte das nicht ganz so – es wurde eine recht winterliche Unternehmung.

Wettersteinhütte - Wetter sosolala

Wettersteinhütte – Wetter sosolala

Also sind wir los – um 6:30 in München, problemlose Fahrt nach Leutasch und rauf über die Rodelbahn zur Wettersteinhütte (ca. 1 h). Dort gleich weiter durch teilweise tiefen Schnee das Scharnitztal hinter und rechts hoch über die abgeblasenen H2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_02änge, die Gämsen störend, die zu Dutzenden zu uns runterglotzten. Oben zog’s immer strenger, böiger Wind, der noch mehr Schnee in die Nordhänge verfrachtete.

Schon bevor wir am Wandfuß ankamen (weitere Stunde) war uns klar, dass das diesmal nichts werden würde mit irgendwelchen bayerischen Träumen. Nach kurzer Konsultation der Möglichkeiten im Führer entschieden wir uns dafür, die erste Seillänge der Route „Siemens-W2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_03olf“ (4) zu gehen, ein Klassiker aus dem Jahr 1922. Nicht mit Kletterschuhen, sondern mit unseren Schneetretern, wobei die meinen mit einer relativ weichen Sohle gesegnet waren. Kalte Füße hatte ich schon. Zudem hatte ich meine Handschuhe vergessen, echt wie ein Anfänger, aber Anton konnte mir mit einem Ersatzpaar aushelfen (mit dem Ergebnis, dass er dann kalte Finger bekam, weil er mir die dickeren Handschuhe gegeben hatte; DAS ist ein Bergkamerad!). Die 4-„-Seillänge fühlte sich irgendwie wie eine Kaltstart-7+ an. Der Wind zog wie Sau, und weil ich möglichst schnell hoch und wieder runter wollte, hatte ich nicht wirklich auf den Seilverlauf geachtet. Das rächte sich bitter, weil der Zickzack einen mächtigen Seilzug verursachte. Als der zu krass wurde, machte ich nach ca. 35 Metern Stand an der ausgesetztesten Ecke der Nachbarroute und sicherte Anton hoch.

Uns war bitterkalt, aber aufgrund des Windes konnten wir nicht einfach auswerfen und abseilen, sondern ich musste Anton per HMS (und hintersichert mit einem Prusik) ablassen. Die brandneuen Halbseile krangelten ganz schön, wahrscheinlich auch deswegen, weil ich nicht darauf achtete, das Seil beim Ablassen schön parallel in den HMS einzugeben. Irgendwann hatte ich einen Mordsseilverhau, absolut eiskalte Klumpenfüße und nur noch den Wunsch, das Ganze möglichst schnell beenden zu können. Anton musste sich an irgendeinem Haken zwischensichern und ich verzweifelte fast bei dem Versuch, die Krangel aus dem Seil zu bekommen und den Seilverhau zu entwirren. Irgendwann klappte es, ich konnte Anton ganz ablassen und nach verschiedenen Vorbereitungen, die sich hauptsächlich darum drehten, das Seil zu sichern, damit es nicht abhaute (nicht ausdzudenken!) hinterherabseilen. Unten angekommen freuten wir uns zunächst, der Eishölle entkommen zu sein, aber die Freude währte nicht lange, denn das Seil verhakelte sich beim Abziehen und war nicht wieder freizubekommen. Also musste wieder einer hoch, Anton, um das Seil mit sanfter Gewalt zum Runterfallen zu bewegen. Als das geschafft war, nahmen wir unsere Beine in die Hand und schauten, dass wir runterkamen – und was war? Auf einmal riss es auf, und die Sonne lachte uns ins Gesicht. Dementsprechend schön war der Abstieg, und das Panorama ein Wahnsinn. Auf der Wettersteinhütte gab’s noch Bier, Speckknödelsuppe und Apfelstrudel in der Sonne. Genialer „Klettertag“ :-)

2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_06

2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_08

2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_10


2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_09
2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_11
2016-02-07_Klettern_Schüsselkarspitze_Anton_13

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen noch frei