Obere Diesbachwand: „Mistkäfer“ (8+ A0)

Servus,

es ist kaum zu glauben – die Klettersaison hört und hört nicht auf. Und das ist schön so („wer braucht schon Schnee?„), und deswegen zog es uns – Holger und mich als eine Seilschaft, Julius und Bruno als die andere – einmal mehr an die obere Diesbachwand bei Weißbach zwischen Lofer und Saalfelden. 5:00 Uhr aufstehen, 6:16 Uhr die Bahn von München-Solln nach Holzkirchen, und eineinhalb Stunden fahren. -5° im Tal, dennoch wurde uns gehörig warm beim einstündigen Aufstieg. Das Timing war perfekt: kaum oben an der Wand, lugte die Sonne um die Ecke und wärmte uns sofort. Bis dahin hatten wir sensationelle Ausblicke auf das mit Reif überzogene und dampfende Tal, in der Ferne die wunderbaren Gipfel der Loferer Steinberge im ersten Sonnenlicht.

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Holger steigt auf!

Zapfig ist's unten

Zapfig ist’s unten

Über die Tour – Holger und ich stiegen in den „Mistkäfer“ ein, die beiden anderen in den „Weberknecht“ (7) – verliere ich jetzt nicht viele Worte, denn das hat Holger hier schon getan. Nur soviel: ich bin völligstens begeistert und muss sie unbedingt wieder gehen – schon allein, um die beiden letzten Seillängen (Nummer elf und zwölf, je 7) noch zu gehen, die wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ausgelassen hatten. Das Klettern des „Mistkäfer“ ist durchgehend herausfordernd (vier 8er-Stellen bzw. Seillängen, aber auch alle anderen haben es wirklich in sich!) und unglaublich abwechslungsreich (Platten, Verschneidungen, kraftige Überhänge – alles geboten). Selten begangen wohl – dadurch leider oft ein wenig „staubig“, und völlig ohne Chalk-Spuren, obwohl es lange nicht geregnet hatte. Die Absicherung war hervorragend, aber nicht übertrieben. Mobile Sicherungsmittel haben wir keine gebraucht, obwohl hier von einem Cam in der 10 SL die Rede ist; den habe ich aber nicht gebraucht, und ob ich auf das Band aufgeschlagen wäre, ist fraglich.

Bei der Schlüsselstelle (8+) schon in der dritten Seillänge hatte ich keine Chance: von einem Band aus ist in Höhe von ca. 2,5 m ein super Untergriff – aber in den muss man erstmal kommen. Nur eine kleine (geschlagene? sah so aus) Leiste vielleicht 30 cm darunter taugt als Griff, auf den maximal die Hälfte der ersten Fingerglieder passt. Ansonsten – nichts (abgesehen von einem ein-Finger-Löchli weit links oben…). Und vom Treten red ich jetzt gar nicht. Der Seitgriff links unten ist so rund und schlecht, dass ich mich unmöglich daran aufrichten konnte, um in den Untergriff zu kommen. Na ja, ist auch 8+… Da muss ich wohl noch ein bissl trainieren. Dennoch kam’s mir schwerer vor, die Stelle. Und ich hab eigentlich eine gute Reichweite!

Die obere Diesbachwand, linker Teil im Sonnenlicht

Die obere Diesbachwand, linker Teil im Sonnenlicht

Bester Kalk! (im Kopf auch…)

Abgeseilt haben wir vom Stand der vorletzten Weberknecht-Seilllänge zu viert, denn unsere Freunde waren mit ihrer Genusstour :-) auch grad fertig und ließen uns freundlicherweise das Seil gleich hängen und warteten zwei Stände darunter auf uns. Vom Stand der 10. SL konnten wir gut auf einem Band rüberqueren, da war dann ein Friend doch hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Die beiden letzten Seillängen der „Mistkäfer“ hätten wir schon noch gehen können; nur war die Sonne schon um die Ecke, und es wurde zapfig. Auch so kamen wir im Stockfinsteren unten beim Auto an.

Dort hab ich erstmal das widerliche Plakat an der Bushaltestelle abgemacht. Leider gibt’s nicht nur in Österreich solche gehirnverbrannten Leute…

Widerlicher geht’s nicht. Fehlt nur noch das Hakenkreuz…

Cheer’s!

 

Georg

 

 

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