Steinplatte: Ironmouse

Hi climbers,

mit Manu ging’s letzten Freitag an die Steinplatte – das erste Mal für mich, und, was soll ich sagen, ich war überwältigt von der Schönheit dieses Klettergebiets. Problemlose Anfahrt von München aus in etwa eineinhalb Stunden über Inntalautobahn, Ausfahrt Oberaudorf/Niederndorf, via Walchsee, Kössen, dann Richtung St. Johann und Abzweig nach Erpfendorf/Waidring. Die Mautstraße hoch (8 € pro Fahrzeug), und auf dem großen Wanderer-Parkplatz geparkt, weitere ca. 45 Minuten Zustieg bis zu dem Vorbau, an dem die Route beginnt.

Vorbau und Hauptwand, "Ironmouse", Steinplatte

Vorbau und Hauptwand, „Ironmouse“, Steinplatte

Manu

Manu

Missionarischer Eifer am Wandfuß

Missionarischer Eifer am Wandfuß

Da geht's auffi: Leichtere Auftakt-Alternative zur "Warten auf Godot" (links davon), 1. SL der "Ironmouse"

Da geht’s auffi: Leichtere Auftakt-Alternative zur „Warten auf Godot“ (links davon), 1. SL der „Ironmouse“

Hammerfels an der Steinplatte

Hammerfels an der Steinplatte

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Nett gestaltete Routenschilder

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Manu hat was g'fundn (eine versteinerte Muschel!)

Manu hat was g’fundn (eine versteinerte Muschel!)

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Krasser Fels!

Krasser Fels!

Pimp my mountain...

Pimp my mountain…

Herrliche Sommerwiesen

Herrliche Sommerwiesen

Tolles Gewächs; keine Ahnung, was das ist.

Tolles Gewächs; keine Ahnung, was das ist.

Da Koasa im Hintergrund

Da Koasa im Hintergrund

So stell ich mir irgendwie Yosemite vor... (so ein bissl wenigstens)

So stell ich mir irgendwie Yosemite vor… (so ein bissl wenigstens)

Ironmouse“ ist eine Acht-Seillängen-Kombination aus vier eigenständigen Kletterrouten („Warten auf Godot“, „Maus am Spieß“, „Mausleiter“ und „Tom und Jerry“), die sich oft im 6er und 7er-Bereich abspielen. Der Einstieg zur „Warten auf Godot“ liegt auf einem grasigen Band ein paar Meter oberhalb des Wanderwegs („Gamssteig“), der sich unterhalb der Steinplattenwände entlangschlängelt. Manu und ich waren so frei und starteten nicht mit „Warten auf Godot“ (7+; ein paar recht harte Züge gleich vom Start weg), sondern mit den ersten zwei Seillängen der ein paar Meter rechts gelegenen Route „Jesus (Weg, Wahrheit, Leben)“ (7-). Trotz des etwas missionarisch angehauchten Namens (dazu und zur weiteren Routen-Entstehungs- und Einbohrgeschichte an der Steinplatte siehe auch: http://klettern-hsv.at/dateien/Fortsetzung%20Steinplatte%20Zentral.doc) war dies ein himmlischer Auftakt: Die Jesus-Route beginnt mit moderater 5er-Kletterei in bestem, wasserlöcherzerfressenem Fels. Die zweite Seillänge wartet mit einer tollen Plattenstelle am Anfang und anschließend kraftiger, genussvoller Schuppenkletterei (wo ein bischen Piazzen angesagt ist) auf. Am Ausstieg kommt man durch Latschen über den Kopf des Vorbaus zur imposanten Hauptwand, an der sich einige, auch sehr schwere Routen nach oben winden; wir verbanden hier Seillänge Zwei und die Zehn-Meter-Zwischenseillänge Drei zu einer, was mit dem Seilzug grade so hinhaute.

Nach dem Vorbau folgten wir der angedachten Linie der „Ironmouse“: über den „Mausspieß“, einer spitzen, vorstehenden Felsnadel auf 7er-Platten mit einigen trickreichen Einzelstellen. Bis hierher war die Absicherung gut; im oberen Teil der Route sparten die Einbohrer bei tendenziell abnehmender Schwierigkeit mehr und mehr mit Hakenmaterial. Kletterer mit eher schwächeren Nerven tun gut daran, einen Satz Keile und Friends/Cams mittlerer Größen, aber auch ein paar Schlingen mitzunehmen. Besonders die siebte Seillänge hat es in dieser Hinsicht in sich; das 6er-Gelände ist ausgesetzt, steil, der Fels bombenfest und von Wasserlöchern zerfressen. Hakenabstände fünf Meter, teilweise mehr. Manu, nach eigener Aussage ans Stürzen und die spärliche Absicherung nicht wirklich gewohnt, legte im Vorstieg eine kleine Flugeinlage ein, die glimpflich ausging (keine Verletzung). Trotzdem waren wir beide danach ein wenig demoralisiert. Wohl aufgrund der noch weiteren Hakenabstände in der letzten Seillänge (Anfangs 6, dann 5er-Gelände) verstieg ich mich leicht nach links in eine Nachbarroute. Einen zuvor gesetzten 12er-Keil bekam ich fast nicht mehr raus, und als ich ihn endlich gelockert hatte, flog er schon nach unten (jaaa, man sollte so einen Keil halt irgendwie mit eine Exe sichern, wenn man dran rumbastelt…), wobei ich froh war, dass er Manu nicht traf. Falls also irgendjemand einen grünen 12er-Keil im Bereich des Vorbaus findet… ihr wisst schon.

Da wir eh schon spät dran waren, gaben wir an dieser Stelle auf, ich opferte einen Karabiner und Manu ließ mich wieder zum letzten Stand ab, von dem aus wir mit dreimaligem Abseilen (60-Meter-Halbseile) den Platz zwischen Vorbau und Hauptwand erreichten. Nach ein bischen Abstieg über 1er und 2er-Schrofen waren wir wieder an den Rucksäcken, die Abendsonne schien uns ins Gesicht und wir freuten uns über die gelungene Tour in dieser Hammer-Wand mit diesem Hammer-Fels und der wahnsinns Aussicht. Über den Gamssteig wanderten wir zurück Richtung Parkplatz und konnten die unterschiedlichen Sektoren der Steinplatten-Wände nochmal ausgiebig bewundern. Unvermutet tauchte die abgrundtief hässliche Konstruktion einer „Aussichtsplattform“ (als ob es da oben nicht auch so genug „Aussicht“ gäbe) über uns auf, die in mir den lebendigen Wunsch nach einer Stange Dynamit wachrief. „Pimp my mountain“ – wer sich sowas ausdenkt, hat IMHO wirklich einen an der Klatsche.

Den Tag ließen wir im Restaurant „Bernhard’s“ ausklingen, das wir — auf der Suche nach Essbarem nach 21:00 Uhr; in Österreich anscheinend ein Ding der Unmöglichkeit — in Oberaudorf fanden. Nicht ganz billig, aber bester Service und absolut geniales Essen. Empfehlenswert.

P.S.: Zu vielen Touren an der Steinplatte, aber auch an Dießbachwand, Urlkopf, Steinernes Meer, Loferer Steinberge, Leoganger, Reiteralpe… gibt es hier Infos: http://klettern-hsv.at

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