Jahresauftakt: Zellerwand

Bruno und ich nutzten die schönen Tage letzte Woche und waren gleich zwei Mal an der Zellerwand im oberbayerischen Schleching nahe Marquartstein. Am ersten Tag war der Bruno nach Abgabe seiner Masterarbeit die Woche zuvor noch so geschwächt, dass ich ihn aus dem Bett klingeln musste – er hatte den Wecker nicht gehört. Oder war’s doch die Geburtstagsfeier am Tag zuvor? Egal, die Zellerwand erstrahlte nach ca. einer Stunde Fahrt von München weg in schönstem Glanz und es juckte uns in den Fingern. An der Wand waren trotz des schönen Wetters nur wenige Seilschaften.

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Zellerwand vom Parkplatz aus gesehen

Wir gingen den „Schleichweg“, 15m, 6-, zum Aufwärmen. Dann „Silberlocke“, 15m, 6+, „Zeit für Gemütlichkeit„, 20m, 7-, eine tolle Route, mit lauter Löchern und auch mal leicht überhängenden Stellen. Schöner Rhythmus. Ein Loch oben kurz vorm Ausstieg bringt die Gemütlichkeit, mit no-hand-rest. Etwas später im Jahr kann man diese Route oft schon nicht mehr klettern, da sie wegen des brütenden Rabenvogels im oberen Wandteil gesperrt ist.

"Hauptwand": Schöner, nicht immer fester Fels.

„Hauptwand“: Schöner, nicht immer fester Fels.

Zum Schluß noch „Drau da“, 30m, 7+, mit rechter Variante 7+/8-, probiert und die schwierigen Stellen ausgebouldert. „Größenabhängiger Einstiegsboulder und knifflige Einzelstelle in der Mitte“, steht im Führer. Den Boulder unten schaffte ich dann ein paar mal.

Wenn der "größenabhängie Einstiegsboulder" in der "Drau Da" (7+) schon grad ne funktioniert, dann wenigstens "Kaminklettern"!

Wenn der „größenabhängige Einstiegsboulder“ in der „Drau Da“ (7+) schon grad ned funktioniert, dann wenigstens „Kaminklettern“!

Zwei Tage später war dann fast mehr los als am Sonntag – vier Seilschaften. Wir machten „Hilti Hilti“, 9m, 6, wobei die Ausstiegsstelle echt verzwickt ist, wenn man nicht weiß, wie man sie angehen soll. „Sportsfreund“, 20m, 7-, ging dann onsight, genauso wie „Tagedieb und Taugenichts„, 30m, 7+. Tolle Route, anhaltend schwierig, sehr homogen.

Dann kochten wir Spaghetti auf dem Gaskocher und aßen griechischen Salat dazu – und das alles am Wandfuß. Genial!

Spaks am Wandfuß - besser schmeckt's in keiner Gaststätte.

Spaks am Wandfuß – besser schmeckt’s in keiner Gaststätte.

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Anschließend gaben wir uns „Workaholic„, 30m, 7-, die vielleicht abwechslungsreichste und schönste Route an der Hauptwand. Bin die letztes Jahr schonmal geklettert. Alles dabei: Überhang unten, knifflige Plattenstelle in der Mitte, und oben Piazzen. Einfach geil. Dann konnte ich noch „Drau Da„, s.o., mit der rechten Variante (7+/8-) rotpunkten. Boah, das lief heute. Bruno, ohnehin nervlich ned so gut drauf, beendete seine Kletterambitionen für den Tag, und ich gab mir im letzten Licht nochmal etwas „Zeit für Gemütlichkeit „. Was für zwei geile Tage, was für ein schöner Saison-Auftakt.

Scheene Bleamen

Scheene Bleamen

Ein paar Infos zur Zellerwand: 

Die Zellerwand ist Richtung Süden ausgerichtet und erlaubt daher an warmen Tagen auch das Klettern in den dunkleren Jahreszeiten. Wir tummelten uns nur an der Hauptwand, aber es gibt noch einige weitere Abschnitte mit sehr schönen und auch einfacheren Routen („Übungswandl“, „Sonnenwand“ etc). Die Absicherung ist sehr gut, aber gottseidank nicht völlig übertrieben, so dass das „Felsfeeling“ erhalten bleibt. Klebe-/Bühlerhaken (aus denen sich Exen, sind sie falsch eingehängt, unter ungünstigen Umständen schonmal selbsttätig aushaken können) und Bohrhaken prägen das Bild. Die längsten Routen haben meist 30 Meter, mit einem 60-Meter-Einfachseil kommt man grade so hin, ein Knoten im Seilende sollte auch hier Standard sein. Einige Routen haben Erweiterungen nach oben (2. Seillänge), die zur Zeit der Brut (s.u.) nicht geklettert werden dürfen.

Die Umlenker bestehen meist aus gebohrten Kettenständen mit Eisenring, der Nachsteiger muss umfädeln können. Selten finden sich Karabiner oder gar „Kuhschwänze“, die auf keinen Fall überklettert werden sollten (Aushängegefahr). 

Die Felsqualität ist durchwachsen. In „Drau Da“ ist mir ein Tritt ausgebrochen, ich bin abgesegelt und hab mir das Knie aufgeschlagen. Ohne Helm würde ich an dieser Wand nicht klettern, vor allem auch das „Bodenpersonal“ braucht m.E. einen Helm (sowieso immer zu empfehlen).

Im Frühjahr brüten vor allem im Mittelteil der Wand („Hauptwand“) Kohlraben und andere Vögel. Betroffene Routen müssen unten am Campingplatz gemeldet werden; sie werden dann bis Ende der Brutsaison gesperrt.

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