Ramserer Stoa

Manchmal ist es zum Haareraufen: man klettert einen vollen Tag, konzentriert sich auf ein, zwei „Projekte“ und kann der Routenliste letztendlich doch keine neue Rotpunktbegehung hinzufügen. So ging es mir am Samstag am Ramserer Stoa, einem noch jungen Sportklettergebiet im Inntal, oberhalb von Oberaudorf gelegen.

Klettern am Ramserer Stoa

Klettern am Ramserer Stoa

Mit Julius war ich unterwegs, und es zeigte sich, dass wir die richtige Wahl getroffen hatten: schon beim Zustieg von der Mühlau aus gleißte die Sonne und es war bullenwarm, aber der „Stoa“ liegt im Wald, bekommt kaum direkte Sonneneinstrahlung und bleibt auch bei der größten Hitze angenehm kühl.

Wie beim letzten Besuch kletterten wir nur im untersten der drei Sektoren. „Bauerntrick“ (6+, immer noch eine echt schöne und abwechslungsreiche Route) und „Use it or lose it“ (6+) waren schnell abgehakt und unsere Finger warm. So wagten wir uns an den „Agrarökonom“ (7 laut Führer), von dem ein links neben uns kletternder Local (übrigens die einzige weitere Seilschaft außer uns im unteren Teil) sagte, jeder am Stoa müsse die mal probiert haben, die sei speziell.

Ich kannte die Route ja schon vom letzten Mal, und wusste um den kniffligen Schlüsselzug: an einem Bauch an zwei kleinen Leisten in ungefähr doppelter Schulterbreite hängen (schon der Weg dahin ist nicht ganz easy), mit dem rechten Fuß mehr oder weniger auf Reibung ansteigen, anziehen, blockieren und mit Links 40 oder 50 cm in ein super Loch mit guter griffiger Kante weiterschnappen. Julius fand noch einen weiteren Weg: an der linken Leiste doppeln und dann zum Loch weiter, weniger dynamisch. Der Rest der Tour ist geschenkt, allein ich konnte sie nicht durchsteigen, denn diesen Zug – der verglichen mit den anderen „7-„-Zügen in den benachbarten Routen deutlich schwerer ist, Julius und ich meinten „8-“ – schaffte ich zwar, aber nicht bei den Durchstiegsversuchen. Mit seiner Zugvariante konnte sich Julius dann den „Agrarökonomen“ holen.

Anschließend bewiesen wir „Mut zur Lücke“ und stiegen in die gleichnamige Route (8) ein. Auch die hatte ich beim letzten Mal schon probiert, da ging aber gar nix nach dem ersten Haken. Dieses Mal schon deutlich mehr: die Route beginnt plattig mit einem Zweifingeraufleger für die rechte Hand und einem guten Tritt – dennoch ist das Aufstehen eine recht wackelige Angelegenheit dort. Man schnappt schnell rechts weiter zu einer Art Zange, und kann sich mit Links an einem einigermaßen guten Loch stabilisieren. Dann geht es rechts raus, mit der rechten Hand in einem weiteren abschüssigen und rutschigen Loch (was besseres ist einfach nicht da), tritt mit dem rechten Fuß auf eine winzige Leiste, muss anziehen, mit dem linken Fuß höher treten und rechts auf einen Vorsprung rausspreizen.

Aus dieser ungemütlichen, weit gestreckten Haltung heraus gilt es, etwas dynamisch nach der Kante zu greifen, die den Beginn eines Risses markiert. Wenn man die hat, lässt sich der dritte Haken gut clippen. Der Riss zieht sich steil nach links oben und bietet immer wieder gute Felsschuppen, an denen man sich kraftig hochhangeln kann, wobei v.a. weiter oben nicht viel zum Treten da ist. Der Griff nach der Kante ist nach dem Aufsteher und dem Zweifingeraufleger weiter unten der zweite Schlüsselzug, und bei dem bin ich einige Male geflogen, was dazu führte, dass meine Wade Bekanntschaft mit dem straff gespannten Seil machte. Gab ein paar Hautabschürfungen, die ihre wahre Schönheit erst ein paar Tage später offenbarten… Nun, auch in „Mut zur Lücke“ ging es mir wie vorher: Ich konnte alle (Schlüssel-)Züge, war ein paar mal oben, konnte die Route aber nicht durchklettern. Das war erneut dem Julius vergönnt, der sie nach ein paar Versuchen dann doch noch bei der Lücke packte… Für mich gibt’s nur eins: demnächst wieder an den Stoa, und die zwei Routen abholen :-)

Julius hatte seine Mini-Kamera dabei, ein winziges Ding mit einem Fischaugenobjektiv, das wunderbare, Lomografie ähnliche Bilder macht. Hier sind ein paar davon:

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