Schüsselkarspitze: „Peters-Haringer“ (VII-)

Hi climbers,

gestern haben wir uns einem alpinen Klassiker im Wetterstein gewidmet: Der „Peters-Haringer„, einer wundervollen Route durch die 500 Meter hohe Südostwand der Schüsselkarspitze mit 15 Seillängen und ca. 600 Klettermetern. 1934 wurde sie erstbegangen von dem damals 21-jährigen Rudi Peters mit seinem Seilpartner Rudi Haringer: „Bei Regen und Hagelschauern errangen die beiden den spektakulären Erfolg, mit krangelnden Hanfseilen und rutschigen Manchon-Kletterschuhen.“ [Quelle]. Wir – zwei Seilschaften, bestehend aus Betti, Jan, Valentin und Georg – hatten es bei unserer Begehung wesentlich besser: Blauer hätte der Himmel nicht sein können, und die Temperaturen waren schon am frühen Morgen mehr als sommerlich.

Gewaltige Wand

SO-Wand

Vom Parkplatz bis zum Wandfuß brauchten wir gut zwei Stunden, und wir waren froh, dass zumindest der erste Anstieg noch im Wald verlief. Die letzten Höhenmeter über Geröllhalden bissen uns nochmal so richtig in die Wadeln – da hätte man gerne eine der geröllhaldengängigen Gämsen sein mögen, die in Rudeln auf den letzten verbliebenen Schneeflecken im Kar fläzten und sich nur widerwillig erhoben, als wir anrückten. Von unten stellten wir fest, dass die Route „Aschenbrenner“, ein weiterer Klassiker und unser „Plan A“, in weiten Teilen nass war. Auch in der Peters-Haringer waren dunkle Flecken zu sehen, was sich aber beim Klettern als unproblematisch herausstellte – die wesentlichen Griffe und Tritte waren trocken. Im Gegensatz zu Peters und Haringer konnten wir auf moderne Kletterschuhe, krangelfreie Halbseile aus Polyamid und nicht zuletzt auf die Klebehaken zurückgreifen, mit denen die Route saniert ist.

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Valentin am Stand

Alle Stände sind mit zwei derselben ausgestattet, und auch die Absicherung dazwischen kann als gut (aber nicht „plaisirmäßig“) angesehen werden. Ein Satz Friends mittlerer Größe (0.4 bis 2) ist hilfreich, um allzu weite Hakenabstände zu entschärfen und etwaige Flatternerven zu beruhigen.

Jan in einer der ersten Seillängen; die nassen Stellen haben nicht groß gestört.

Jan in einer der ersten Seillängen; die nassen Stellen haben nicht groß gestört.

Die Route folgt einer idealen Linie zunächst mehr oder weniger senkrecht durch die Wand, um ab der neunten Seillänge schräg nach links oben zu ziehen. Die schwierigsten Längen sind im unteren Teil: wunderschöne Risse und Verschneidungen, die oft aber nicht immer Spreizen erlauben, und meist dann einen guten Griff anbieten, wenn man ihn braucht. Zum Teil sind diese – wie es die Popularität dieses Klassikers vermuten lässt – durchaus abgespeckt, was insbesondere das Ende der Seillänge Vier recht schwer macht. Betti mühte sich im Vorstieg schön ab an dieser Stelle und verschwand fast im Riss (O-Ton später: „Wenn da schonmal so ein Riss ist, dann muss man alles reinstecken was reingeht.“), während sich Jan im Nachstieg mehr oder weniger gar nicht um die Felsspalte kümmerte und alles „außen“ kletterte.  In einer der Verschneidungen brach mir ein Griff aus und ich machte einen Abflug – gottseidank war ich grad mit Nachstieg an der Reihe, und Valentin hielt mich sicher. Generell aber ist der Kalkfels hervorragend, erst in den oberen, leichten Seillängen muss man auf lose Steine und Griffe vermehrt aufpassen. Absolute Highlights sind die Seillängen drei bis fünf (VII-) und sechs sowie sieben (VI). Ab dem „Knick“ (8. Seillänge) wird’s deutlich leichter (IIIer und IVer-Gelände), aber die 11. und 12. Seillänge bieten nochmal richtig geniale Kamine und Risse (V und VI).

Schöner Riss in der vierten Seillänge: "Alles reinstecken, was geht." (Betti)

Schöner Riss in der vierten Seillänge: „Alles reinstecken, was geht.“ (Betti)

Nach rund sechs Stunden waren wir oben, ganz nahe der Biwakschachtel im Gipfelbereich der Schüsselkarspitze. Spektakuläres Panorama in alle Richtungen, im Norden das Oberreintal, die Oberreintalhütte schon im Schatten. Bis zur Abseilpiste mussten wir ungesichert dem Kamm folgen – nicht ungefährlich.

Abklettern zur Abseilpiste

Abklettern zur Abseilpiste

Wir passierten den letzten Stand der „Aschenbrenner“, und hätten fast den „Zak-Spezialhaken“ übersehen, der den Beginn der Abseilpiste markiert. Diese geklebten Haken (laut Vali eine Erfindung von Heinz Zak) haben zwei Ösen: eine geschlossene unten (zur Selbstsicherung) und eine mit einem Schnapper versehene oben (für das Seil zum Abseilen).

Betti seilt ab - am "Zak-Spezialhaken"

Betti seilt ab – am „Zak-Spezialhaken“

Auch das Finden der jeweils nächsten Zak-Haken war für den Abseil-Ersten mangels Markierung (keine roten Punkte o.ä.) nicht ganz leicht, was dazu führte, dass Betti einmal wieder nach oben klettern musste und ein zweites Mal überhaupt keinen Zak-Haken fand und an einem Stand einer anderen Tour halt machte. Insgesamt dauerte das Abseilen nochmal gut drei Stunden (inklusive Kamm-Querung) und war vor allem im oberen Teil etwas heikel wegen Steinschlag. An einem der Stände traf mich so ein Geschoss direkt am Kopf, der gottseidank behelmt war – und der Stein klein genug, um keinen Schaden anzurichten. Nach gut 13 Stunden – davon recht genau sechs Stunden reine Kletterei – waren wir wieder unten am Parkplatz.

Ein paar mehr Bilder gibt es hier. Bis zum nächsten Mal!

Georg

Peters-Haringer: ungefährer Routenverlauf

Peters-Haringer: ungefährer Routenverlauf

8 Gedanken zu „Schüsselkarspitze: „Peters-Haringer“ (VII-)

  1. Hey! Coole Sache das mit dem Blog Georg! Is ne super Erinnerung an die „großen“ Taten die man so vollbringt:) Weiter so!

    • Hey Till, danke für den Link, das sind offenbar wirklich „IQ“-Haken, sahen genauso aus wie in dem „Bergundsteigen“-Beitrag. Wenn das Seil ne Schlaufe über den (oberen) Haken macht, kann es sich theoretisch tatsächlich aushängen. Wir haben uns auch gefragt, was passiert, wenn sich der Haken dreht…

  2. Lieber Georg,
    toll, was Du da gemacht hast! Der übersichtliche, dezente Aufbau, die interessanten Beschreibungen und die guten Bilder machen auch mir Nichtkletterer (einmal Nachsteiger in der Karlspitz-Ostwand) Spaß beim Lesen.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und Freude bei Deinen Bergtouren.
    Dein Papa

  3. Servus Schorsch,

    Kompliment zu der schönen Blog-Seite. Liest sich angenehmer als die eMails ;-)

    Vielleicht gelingt es mir doch noch diesen Sommer, mein Knie wieder kletterfähig zu bekommen. Wäre gerne mal wieder am Fels…

    Bzgl. IQ-Haken: im Zweifel lieber etwas Prusikschnur opfern und redundant am zweiten Haken hintersichern als es auf den „einen“ Versuch ankommen zu lassen. Wenn alle 4 das selbe Seil benutzen zum Abseilen, dann geht`s eh schneller und spart Material.

    lg. Sigi

  4. Hey Georg!
    Super Blog und schöne Bilder.
    War ein echt schöner Tag und eine hammer gute Tour, kann ich nur jedem empfehlen!
    Lg, Betti

  5. “ (..) im Zweifel lieber etwas Prusikschnur opfern und redundant am zweiten Haken hintersichern (..)“

    Wo ist denn auf einer alpinen Abseilpiste ein zweiter Haken?
    Typischer Hallenkletter Ratschlag.

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