Wilder Kaiser: Vordere Karlspitze (VI)

Hallo climbers,

letzten Freitag sind Till, Valentin und ich die SO-Wand der Vorderen Karlspitze im Wilden Kaiser gegangen. Eine einfache (3 bis 5, laut Topo Schlüsselseillänge 6), aber klassische Route (Erstbegehung: 1945), die völlig selbst abgesichert werden muss; es sind auch keine gebohrten

Aufstieg zum Ellmauer Tor

Aufstieg zum Ellmauer Tor

Stände o.ä. vorhanden. Wir fuhren um 7:00 in München los, bei Kiefersfelden raus von der Autobahn und dann gegurke (märci, seit diesem Jahr bis Kufstein Süd nicht mehr mautfrei :-( über Kiefersfelden / Kufstein und über den Eiberg, Scheffau bis nach Ellmau. Dort am Golfplatz vorbei und die Mautstraße (normalerweise 4€, heute saß aber keiner da) hoch bis zum Parkplatz. Start um ca. 9:00, Aufstieg über die Gaudeamus-Hütte und hoch bis unter das Ellmauer Tor, ca. 1.5 h. Die Querung von Schneefeldern blieb uns nicht erspart, aber das ging – im Gegensatz zum Abstieg – noch einigermaßen ohne nasse Füße ab.

Als in alpinen Routen Erfahrenster machte Valentin den Vorstieg. Für mich war es die erste alpine Route, und es war interessant zu sehen, wie Valentin die Stände baute, i.d.R. mit drei Camalots und / oder Keilen. Die Kletterei war nicht schwer, teilweise ein wenig grasig, v.a. in den ersten Seillängen, wurde dann aber zunehmend interessanter. Auch die Orientierung ist ohne Bohrhaken ganz anders als in sog. „Sportkletterrouten“. Man bekommt, so scheint es, einen ganz anderen Blick auf die Gegebenheiten der Wand. Die Schlüsselseillänge war ein brüchiger Klettern_Kaiser_Vordere_Karlsspitze_SO-Wand_2014_04-05_011Quergang mit drei geschlagenen Haken, die wir aber nicht fanden; möglicherweise waren wir aber auch zu tief. Von dort an ging es über nette Verschneidungen nach oben. Wir entschieden uns, für die letzten zwei Seillängen zur Route „Göttner“ rüberzuqueren, und konnten zum Schluß eine Art Kamin klettern (es könnte der Matejak-Kamin gewesen sein), was richtig Spaß machte. Am Ende des Kamins waren zwei Bohrhaken mit Ring, von dort seilten wir auch wieder vier oder fünf Mal ab mit dem Doppelseil auf ein Grasband, querten ein wenig Richtung Ellmauer Tor und seilten ein letztes Mal ab ins Kübelkar, mitten in den Schnee hinein. Ab da nasse Füße, aber das war uns egal, wir hatten eine Mordsgaudi.
Insgesamt haben wir ca. sechs Stunden für die Kletterei gebraucht (Wandhöhe 350 m, Kletterlänge 480 m). Wetter war sosolala, Klettern_Kaiser_Vordere_Karlsspitze_SO-Wand_2014_04-05_020es war trocken, aber die Sonne kam (wegen „Sahara-Sand“?!) nicht richtig durch, und teilweise war es an den Ständen durch den Wind schon ganz schön zapfig. Generell, muss ich sagen, hat die alpine Kletterei was; man hinterlässt keine Spuren, der Fels ist nicht malträtiert durch Bohrhaken und monumentale Stände, und gerade die Findung des Wegs verlangt einem viel mehr ab als in sog. „Plaisier-Kletterrouten“, in denen die Wände perforiert sind durch Bohrhaken in Abständen wie in der Kletterhalle. Man braucht viel Erfahrung, um gute Plätze für den Standplatz zu finden und das richtige Material, um ihn auch sicher bauen zu können.
Bis bald am Fels (oder, wenns nicht anders geht, am Plastik :-) Georg
Mehr Fotos gibt’s hier.

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