Rofan – Guffert-Südwand: „Con Brio“ (7-) und „Siziliano“ (8-)

Servus climbers,

bei einem Wetter, das Mitte Oktober seinesgleichen suchte (T-shirt-warm in fast 2000 Metern Höhe auch nach Sonnenuntergang), haben wir gestern als Dreierseilschaft zwei Touren an der Guffert-Südwand im Rofan-Gebirge gemacht.

Sechs Uhr morgens Abfahrt in München, 1000 hm Zustieg – da hat es sich gelohnt, an diesem wunderschönen Sonntag gleich zwei Touren an der Guffert-Südwand zu machen. Beide wurden – wie die meisten Touren in dieser imposanten Kletterarena – von Ralf Sussmann um die Jahrtausendwende eingebohrt.

Imposante Kletterarena, die Guffert Südwände

Zum Einklettern wählten Alfred, Bruno und ich die „Con Brio“ mit sechs Seillängen und einer wohl an Markus Stadler angelehnten „Ernsthaftigkeitsbewertung“ von E2. Es handelt sich um eine wunderschöne Bohrhakentour in überwiegend sehr gutem Gestein (Platten, Wasserrillen), die dennoch in den leichteren Seillängen ganz schön lange Hakenabstände hat. Schwere Stellen sind dagegen sehr gut gesichert. In Seillänge zwei (5) beispielsweise gibt es auf 30 Metern Länge nur einen Haken, eventuell ließe sich irgendwo ein Keil legen (laut Topo, Link s.u.), aber ins Auge sprang mir die Stelle nicht gerade (und ich hatte auch nur drei kleine bis mittlere Camalots/Friends dabei, die aber nicht zum Einsatz kamen). Seillänge eins (6) hat drei Haken auf 50 Meter. Die Bewertung ist auch nicht geschenkt. Trotz der Kompaktheit des Felses zwischen den Ständen muss man aufpassen – an den Ständen liegt ziemlich viel Zeuch rum, und schnell ist ein Stein angeschubst (auch durch Seilbewegungen) und saust in die Tiefe. Nach uns war eine Seilschaft in der Con Brio, die abseilte, als wir schon die erste Seillänge unserer nächsten Tour links daneben in Angriff nahmen. Mich traf ein Stein an der Hand, aber da er klein war, ist nicht viel passiert. Später kam noch mehr und größeres Zeuch runter und ich rief verärgert hoch, sie sollten aufpassen – die Antwort: „Willkommen am Fels.“ Nu ja. Uns ist nicht soviel runtergefallen wie die nachgeklettert sind… Übrigens haben unsere 60m-Halbseile um’s „Arschlecken“ grade so mit Seildehnung gereicht, um von oben bis zum Stand der dritten Seillänge zu kommen. Also: Knoten in die Seilenden rein und dann auf zweimal Abseilen, wenn ihr mit zwei 60-m-Halbseilen unterwegs seid.

 

Die zweite Tour war schon ein bischen härter, „Silziliano„, E1-2, 5 Seillängen, mit einer schweren Platte (7+/8-, wobei ich eher zu zweiterem tendieren würde) gleich in der ersten Seillänge und kniffligen Stellen in den letzten beiden. Friends und Keile kann man hier im Rucksack oder gar zu Hause lassen. Die Platte hat’s wirklich in sich, ich habe es zunächst rechts herum probiert, konnte clippen und musste dann aufgeben – aber möglicherweise ist es gerade hoch bzw. leicht links doch besser. Die dritte Länge (6-/6) mit 40 m und vier Bohrhaken hat im Mittelteil einen ganz ordentlichen Runout von vielleicht 10 Metern, daber da darf man halt einfach nicht runtersegeln, und die griffigen Wasserrillen bieten auch wenig Gelegenheit dazu. Die schwerste Stelle ist aus meiner Sicht in Seillänge vier gleich am Anfang, das ist ein Testpiece für Fingerkraft, Schmerztoleranz und vor allem die Füße, die sich in winzige Leistchen reindellen müssen. Mit 8- sicher ordentlich bewertet. Der boulderige Einstieg ist aber – auch wohl aufgrund dessen, dass der Sicherer nicht darunter, sondern deutlich weiter links am Stand steht – supereng eingebohrt, „Nullen“ ist also kein Problem. Die letzte Seillänge ist sehr sehr kurz, macht aber trotzdem Laune und ist leichter als die andere „8-„.

Oben kommt man am Grat an und wird mit einem grandiosen Rundblick belohnt. Überhaupt ist das Ambiente an der Guffert Südwand kongenial – vom Tal hört man so gut wie keine Motorengeräusche und vom Großvenediger bis zur Zugspitze schweift der Blick über eine schier endlose Bergkette.

Topos gibt’s hier: http://www.nordalpenklettern.lima-city.de/Rofan-Guffert.htm

Panorama ohne Ende

Die 6er-Seillänge in der „Siziliano“ mit dem Runout

Siziliano, 4. Seillänge, 8-, aber nur ne kurze Stelle

Alfred and me (v.r.n.l)

Bruno im Glück

Ich im Glück

da wohl auch

Der Guffert (spitzt rechts von der Hohen Salve, dem Gupf in der Mitte hervor) aus einer anderen Perspektive – Aufnahmen von Gaisberg / Kitzbüheler Horn, von meinem Vater Gilbert Kaaserer

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