Glück für uns „Wiederholungstäter“ (8-, Steinplatte)

Eieiei. Solche Tage gibt es also auch. An denen scheinbar alles schief geht – aber dann auch soviel Glück im Unglück da ist, dass man es kaum fassen kann.
Eingezeichnete Routenverläufe nur ungefähr!

Eingezeichnete Routenverläufe nur ungefähr!

Mit Holgi, Alfred und Richie an diesem schönen Spätsommertag nach Tirol an die Steinplatte bei Waidring gefahren. Alfred und Richie fassten „Pfingstoanigl“ (8-) ins Auge, und wir die „Wiederholungstäter“ (8-). Den Vorbau mit zwei Seilllängen überwanden wir über zwei der bekannten drei leichteren Routen, wobei sich letztendlich beide Seilschaften um die „Warten auf Godot“ mit dem garstigen und recht pumpigen 7+ Kaltstart drückten.

 

Nach dem

Nach dem Vorbau; im Hintergrund entschwindet Alfred im Quergang der "Pfingstoanigl"

Nach dem Vorbau; im Hintergrund entschwindet Alfred im Quergang der „Pfingstoanigl“

Latschenfeld teilten sich unsere Wege. In Ermangelung an Keilen schenkten Holger und ich uns die erste Länge der „Wiederholungstäter“ (angeblich auf Betreiben von Peter Brandstätter wurden hier einige Haken entfernt, Angabe vom Local, s.u.), und stiegen über die „Ironmouse“ ein. Herrliche Plattenkletterei im unteren 7. Grad. An der Wand herrschte ordentlich Betrieb für einen normalen Freitag. Zwei Seilschaften  waren in der Ironmouse unterwegs, eine davon schon am Abseilen, weitere folgten von unten. Holger war sich mit dem Stand nicht sicher. Der eben herabschwebende Local aber schon, schließlich sei er einer der „Wiederholungstäter“ gewesen, welche die Route geklettert hätten, als sie vom Einbohrer noch gar nicht freigegeben war. Nun also amtlich: Der erste Stand der Ironmouse also gilt auch für die „Wiederholungstäter“.

Deren zweite Seillänge dann (rechts vom Stand wegführend, links die Ironmouse) ging zunächst ebenso plattig weiter mit einer Crux und einem blöden Clip unterhalb eines Pfeilers, darauf eine ausladende Latsche, an der es rechts vorbei geht. Mittlere Hakenabstände. Stand, und dann standen die zwei schwersten Längen mit 7+ und 8- an. Holger im Vorstieg, zunächst noch leichtes, leicht geneigtes Gelände, mit einer grasigen Rinne und nun weiten

Los gehts, Seillänge der "Ironmouse", ich auf dem "Mausspieß" stehend

Los gehts, Seillänge der „Ironmouse“, ich auf dem „Mausspieß“ stehend

Hakenabständen. Holger war knapp vor dem zweiten Haken, zwischen vier und fünf Meter über dem ersten, Beine gespreizt, als sich plötzlich der Brocken in der Rinne löste und Holger flog. Ich hatte, da es nach rechts rüberging, mit HMS am Fixpunkt gesichert. Just in dem Moment des Brockenausbruchs hatte ich nicht zu Holger hoch, sondern rechts rübergeschaut. Holger schrie und stürzte in mein Blickfeld, Beine oben, Oberkörper unten, mit dem Gesäß auf dem Fels aufschlagend. Der Brocken, oberkörpergroß, sauste nach unten, schlug irgendwo auf, zerbarst und ein Querschläger hätte um ein Haar einen Kletterer einer nachfolgenden Seilschaft in der Ironmouse getroffen („ich dachte, das war’s jetzt“, sagte der später).

Dann erstmal Stille, Holger hing, blutete, war in etwa auf meiner Höhe nach den neun bis zehn Metern Fall, und ich dachte, scheiße, jetzt brauchen wir den Heli. Aber er signalisierte recht schnell: alles gut. Das erste, was er sagte: „Könntest du jetzt bitte vorsteigen?!“ Ich konnte es kaum glauben. Holger pendelte zu mir rüber, sicherte sich selbst am Stand und wir sammelten uns erstmal. Er hatte eine oberflächliche Wunde an der Hand, und ansonsten – nichts. Ich war heilfroh, dass ich in diesem Moment nicht Teil der Sicherungskette war und den Sturz sicher halten konnte, und auch nichts von dem herabfallendem Brocken abbekam.
Eingezeichnete Routenverläufe nur ungefähr!

Eingezeichnete Routenverläufe nur ungefähr!

Ich würde mal von einem kleinen Wunder sprechen. In diesem Gelände solch ein Sturz, mit Anschlagen am Fels – und keine großen Blessuren. Unglaublich. Der Esl Erg, kletternder Pfarrer und Einbohrer vieler Routen an der Steinplatte, der übrigens zum gleichen Zeitpunkt links neben unseren Freunden in einer noch neuen Route unterwegs war, hätte sicher die höheren Mächte für den glücklichen Ausgang verantwortlich gemacht. Ein paar Schutzengel waren auch aus meiner Sicht unterwegs.
Um es kurz zu machen: wir seilten ab. Holger wäre im Nachstieg schon noch weitergeklettert, wollte mir den Klettertag nicht versauen, aber ich hatte irgendwie auf einmal Pudding in den Beinen und keine rechte Lust mehr. Vielleicht muss man es auch mal gut sein lassen, und ich stehe zu dieser Entscheidung.
Mehr war nicht: eine kleine Prellung und oberflächliche Hautabschürfung am Handballen. "Gottseidank" kann man da nur sagen.

Mehr war nicht: eine kleine Prellung und oberflächliche Hautabschürfung am Handballen. „Gottseidank“ kann man da nur sagen.

Noch ein paar Worte zur „Pfingstoanigl“ (8-, Ernsthaftigkeitsbewertung E2-) unserer Freunde. Laut Alfred eine herausfordernde Tour links neben dem markanten Pfeiler mit „Ironmouse“ & Co. Nach zwei „alpinen“ Querungs-Seillängen, welche die beiden mit ihren 60-m Halbseilen zusammengehängt hatten, folgen vier Längen im 7. und unteren 8. Grad durch besten Steinplatten-Fels mit vielen Löchern. Zwei Seillängen folgen einem Riss, der sich oben zu einer Verschneidung verbreitert, aber anscheinend weitgehend in der Platte links davon geklettert wird. Hier ist auch die Schlüsselstelle, dem Vernehmen nach nicht leicht zu lesen und daher schwer zu onsighten, zudem muss sie zwingend zwischen den Haken geklettert werden und ist nicht zu „nullen“. „8-“ also obligatorisch. Trotz des an sich guten Felses hatten auch Alfred und Richie eine Flugeinlage mit Griffausbruch. Aufgrund der Steilheit unbequeme Hängestände. Abgeseilt wird entweder über die Route (Kettenstände), nach einem kurzen Fußmarsch am Ausstieg über die „Ironmouse“ oder noch weiter rechts über die Abseilpiste. Links von ihrer Route kletterte der erwähnte Esl Erg mit einem starken Partner in der erst im Dezember 2016 eingebohrten Route „Secret of Faith“ (9-). Eine krasse Linie durch einen sehr steilen Wandteil mit einem Überhang am Ende.

2 Gedanken zu „Glück für uns „Wiederholungstäter“ (8-, Steinplatte)

  1. Schöner Bericht vom Georg. Ja, der Sturz kam etwas unverhofft für mich, besonders weil auf dem Block auch Trittspuren waren. Nachdem ich wieder am Stand war und durchgeschnauft hatte, kam mir sogar kurz in den Sinn, die Seillänge nochmals im Vorstieg zu machen. Aber mit dem blutenden Handballen hatte ich Bedenken, daß ich bei gewissen Griffen dann Schmerzen und zusätzliches „Schmiermittel“ habe. So haben wir abgeseilt. Unten sind wir noch „Warten auf Gordot“ 7+ gegangen. Ging bei mir im Nachstieg, aber bei zwei Griffen merkte ich, daß die Hand nicht ganz optimal zu nutzen war (wenn der Ballen auf den Fels gepresst werden muß).

    Alles gut ausgegangen. Bin froh, daß durch den Ausbruch auch niemand anderes zu Schaden gekommen ist. Ansonsten, von dem Schreck mal abgesehen, schön wieder an der Steinplatte gewesen zu sein.

    Noch eine Korrektur. Der erste Stand von den „Wiederholungstätern“ ist nicht der erste Stand von der Ironmouse – der ist noch ein paar Meter links oberhalb davon, aber man kommt direkt am Stand von den Wiederholungstätern vorbei (kann man natürlich auch für die Ironmouse nutzen).

  2. Servus ihr Zwei Wilden
    Was macht ihr den für Sachen ! Zum Glück ist alles gut ausgegangen … aber übertreibt es mal nicht. Auch ich hab solche Erfahrungen schon erleben dürfen/müssen, da kommt man manchmal schon ins Überlegen was man so treibt.
    Auf weiterhin unfallfreie/re Touren

    Gruß Daniel

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