Hochkranz bei Lofer: „Krampolo“ (8-)

Servus,

zwischen Lofer und Saalfelden gibt es nicht nur die Diesbachwand, sondern auch oberhalb von Weißbach den „Hochkranz„. Darunter liegt ein wunderschöner, mehrere 100 Meter langer und bis zu 100 m hoher, nach Süden ausgerichteter Felsriegel auf ca. 1600 hm, der eigentlich dutzende Touren beherbergen müsste – tatsächlich scheinen es – laut dem „Steinplatte“-Führer von panico – nur drei zu sein. Bruno und ich suchten uns die Vier-Seillängen-Tour „Krampolo“ heraus, mit den Schwierigkeiten 7-, 7-, 7+ und 8-.

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Schon der Zustieg an sich war ein Abenteuer. Aufgrund des Hochnebels sahen wir den Berg nicht, die Zustiegsbeschreibung war kaum hilfreich, und so stachen wir mehr oder weniger senkrecht über sehr steile Almwiesen und später durch dichten Wald ohne Weg nach oben. Davor hatten wir noch Bekanntschaft mit der freundlichen Bergbevölkerung gemacht: an der Jausenstation „Pürzlbach“ fuhren wir mit dem Auto erstmal nach rechts, gerieten in eine Sackgasse, und wollten einen Bauern befragen, der uns mit den Worten begrüßte: „Was wuist’n du da herobn?“.

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Erste Seillänge

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Zweite Seillänge

Wir wollten klettern, und das konnten wir dann auch, in T-Shirt, nachdem wir nach etwa 400 Höhenmetern vom Parkplatz aus den Hochnebel durchbrochen und wie durch ein Wunder an dem langen Felsriegel die Route gefunden hatten. Ein Bombenfels erwartete uns, sowie eine gut (aber nicht plaisiermäßig) gesicherte Bohrhaken-Route, die sich eine graue Platte hinaufschiebt. Die ersten zwei Seillängen boten wunderbare Genusskletterei; der erste Stand ist dabei nicht der offensichtliche (Abseilstand), sondern einer noch ein paar Meter weiter nach links. Zusammenhängen war aber auch kein Problem. Die dritte Seillänge bietet diffizile Plattenkletterei, wobei sich immer genügend gute Tritte zum Stehen finden. Zum Schluss muss nach einer Verschneidung ein Mini-Überhang überwunden werden, diese Crux-Stelle ist nicht ohne. Auch die letzte Seillänge hat es in sich: Im wasserzerfressenen Fels geht es senkrecht nach oben, einige große Seitschuppen erleichtern zunächst das Fortkommen, irgendwann quert man etwas nach rechts, was weiter unten einfacher ist. img_2121-zweite-sl-schoene-schuppenNach einer Art Verschneidung, in der Spreizen hilft, geht es über einen Buckel mit winzigen Griffen zum Stand. Mitten in der Seillänge nervt ein großes grasiges Büschel, nicht umsonst hängt dort eine alte Schlinge, mit der man diese Stelle A0 gehen kann. Eigentlich gehört hier geputzt und die Botanik rausgerissen, aber das gilt für die gesamte Route: Da wohl kaum beklettert, sind die Griffe oft staubig und teilweise mit Flechten bewachsen. Eine Bürste mitzunehmen wäre sicherlich eine gute Idee, ebenso ein oder zwei 3m-Seilstücke, um die alten Schlingen zu ersetzen. Denn die Route hat es verdient, öfter geklettert zu werden. Sicher auch die rechts verlaufende Nachbarroute, der „Hobbit“, die einen ähnlichen Charakter und ähnliche Schwierigkeiten aufweist. Um 16:00 (Winterzeit) war die Sonne weg und wir gerade oben; mit zweimal Abseilen (60m-Halbseile) standen wir wieder am Wandfuß.

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Noch ein paar Infos zum Zustieg: Vom südlichen Ende von Weißbach über die Hirschbichlstraße hoch zur Jausenstation Pürzelbach. Nicht rechts hoch zur Jausenstation, sondern geradeaus weiter noch ein paar hundert Meter am letzten Bauernhof vorbei, dahinter ist der Wandererparkplatz (2€). Vom Parkplatz der Teerstraße folgen, nach ca. 300 m einen links abzweigenden steileren Wanderweg bis zu eine alleinstehenden Birke (ca. 300 m) folgen, dort den kleineren links abzweigenden Pfad steil hinauf nehmen. Der Pfad mündet an einer Schotterstraße, dieser nach links und dann über einige Serpentinen und bald durch den Wald folgen, bis wieder Almwiesen und zwei Holzhütten sichtbar werden. An den Holzhütten links vorbei und die steile Wiese am linken Waldrand hinauf bis zu deren Ende (steiler Anstieg), dann in den Wald hinein (kein Weg) und immer noch schräg nach links oben haltend durch den Wald bis zum Wandfuß. Markant ist der Einstieg vom Hobbit: Unten ist ein Dach, und vom ersten Bohrhaken hängt eine lange graue Schlinge herab. „Krampolo“ beginnt ein paar Meter weiter links. 

Ein gezeichnetes Topo findet sich hier: http://www.klettern-hsv.at/dateien/hochkranz.pdf

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Dritte Seillänge, Bruno an der Crux

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