„Bombenfidel“ (8) an der Hirschwies-Wand

Hi climbers,

nach dem Bruch-Desaster vor einer Woche war es eine Wohltat, wieder eine gut gesicherte „Plaisir“-Route vom Routenschrauberduo Amann & Brüderl gehen zu können. Alfred war mein Seilpartner, er hatte die „Bombenfidel“ am Nordende der Reiteralpe vorgeschlagen. Ein paar Facts:

  • 14 Seillängen, 450 Klettermeter, 350 m Wandhöhe, 5-7 h
  • Exposition: Norden (keine Sonne, erst in der allerletzten SL)
  • Schwierigkeit: maximal 8 (eine anhaltende Passage), mehrere SL 7 anhaltend, Rest leichter
  • Anforderung: Kletterkönnen 7- obligat, Ausdauer ist gefordert, auch die oberen Seillängen sind tw. nochmal richtig kraftig! Zu- und Abstieg auch nicht ohne. Alpines Gelände.
  • Absicherung: hervorragend
  • Fels: fester, rauher Kalk; nur wenig Schrofen / loses Gestein (dennoch: Vorsicht!)
  • Charakter: tolle Mischung aus Plattenkletterei, einer sensationellen Hangelriss-Seillänge (8. Seillänge, anhaltend 7) und einigen spektakulären, auch kraftigen Wandklettereien
  • Zustieg: 1,5 h, Abstieg ebenso (tw. ausgesetzter, wenig begangener Steig), Abseilen möglich, aber nicht nötig
  • climbim-Sterne: ***** (5 von 5)
  • Topo: http://bruederl.userweb.mwn.de/Klettern/Topos/Bomben.jpg

IMG_1378 Hirschwies Wand Übersicht edit

Die Route hat eine witzige Besonderheit: alle ungeraden Seillängen sind relativ leicht, alle geraden relativ gesehen schwer. Wechselführung  bietet sich an wenn einer der beiden Seilpartner schwächer klettert (7- obligatorisch!) oder aus anderen Gründen nicht so gut drauf ist; zwei SL vorsteigen, zwei nachsteigen wäre die zweite Variante, wollen beide auch mal schwere Seillängen führen. Eine weitere Besonderheit: wirklich ausnahmslos alle Stände sind sehr bequem, das Seil musste nicht einmal über die Selbstsicherung aufgefaltet werden.

20160820_133117 alfred ausstieg

„Bombenfidel“ (Herkunft des Namens: oben hinter dem Laufersattel führt die Bundeswehr öfter mal Sprengungen durch, und der 2004 geborene Sohn des Einbohrers Josef Brüderl heißt Fidelius) zieht sich ziemlich gerade die eindrucksvolle, wirklich einsame Wand hinauf und beginnt erstmal moderat mit drei leichteren Seillängen (max. 5-, 6-, 5+). Die vierte SL dann bietet beste, steile Wandkletterei an einer sich schräg nach links oben ziehenden Rissstruktur und ist anhaltend im 7. Schwierigkeitsgrad.

4. Seillänge - 7

4. Seillänge – 7

Die sechste SL ist mit einer glatten 8 die schwerste: zunächst geht es an guten Griffen, aber mit sehr weiten Zügen eine Platte hinauf und dann an einem kraftigen Pfeiler weiter. Das Finale bildet eine fast senkrechte, rauhe Platte mit extrem scharfkantigen, winzigen Griffen und Tritten. Alles anhaltend schwer und nur im unteren Teil noch mögliche Rastpositionen. Eine schöne Seillänge.

Wirklich sensationell wird es dann in Seillänge acht (Amann/Brüderl: „Wegen dieser Länge haben wir diese Tour gemacht!“). Ein ausgesetzter, schräg nach oben verlaufender und 30m langer Hangelriss in einer fast senkrechten Wand, immer mit guten Griffen im Riss, aber nicht immer mit besten Tritten. Überkreuzzüge und mit den Beinen durchscheren helfen und vielleicht auch mal ein Hook zum Ausruhen. Denn Ausdauer ist

Geile Tour!

Geile Tour!

hier gefragt, will man das Teil auf Anhieb durchsteigen. Leider ist der nächste Stand um die Ecke und man sieht den Nachsteiger nicht; Empfehlung: den Stand mit dem Kletterseil bauen und die Selbstsicherung möglichst lange lassen, dann kann man evtl. reinsehen in die Wand und den Nachsteiger anfeuern, ich hatte meine Selbstsicherung zu kurz.

8. Seillänge - superklasse 30-Meter-Hangelriss, sehr ausdauernd

8. Seillänge – superklasse 30-Meter-Hangelriss, sehr ausdauernd

Ab da kommen dann fast nur noch Top-Seillängen: eine tolle Wasserrille (9. SL), eine wunderbare „7-„-Platte (10. SL), und Seillänge Nr. 12: sie führt steil durch gelbes Gestein links neben einem imposanten Überhang und ist im 7. Grad nochmal so richtig kraftig, mit einer Art Mantle (Klimmzug und rauf in den Stütz) als letzten Zug, bevor es dann gemütlicher zum vorvorletzten Stand und Wandbuch geht.

12. Seillänge - komische Verrenkungen helfen offenbar

12. Seillänge – komische Verrenkungen helfen offenbar

Georg am Überhang, 12. Seillänge

Georg am Überhang, 12. Seillänge

Leichter, aber auch wunderschön ist die vorletzte Länge, durch ein verblocktes Verschneidungs-Risssystem, einfach genussvoll.

13. SL - Alfred

13. SL – Alfred

13. Seillänge - Georg

13. Seillänge – Georg

Der Ausstieg dann auf eine sanfte, von Latschen umgebene Wiese ist mit einem sagenhaften Rundumblick gekrönt. Da oben möchte man wirklich die ganze Nacht verbringen…

Blick nach Süden, links der Watzmann

Blick nach Süden, links der Watzmann

Blick nach Südwesten

Blick nach Südwesten

... und Richtung Bad Reichenhall

… und Richtung Bad Reichenhall

Und erstaunlich, wie wenige Begehungen in den zehn Jahren seit der Erstbegehung zusammengekommen sind: wir haben laut Wandbuch die erst 68. Begehung gemacht.

Ein paar Bilder von der Erstbegehung finden sich hier (danke Alfred): http://bruederl.userweb.mwn.de/Klettern/Bilder/Hirschwies.html

Noch ein paar Worte zu Zu- und Abstieg: Wir wählten Variante 2 aus dem Topo, also gleich nach der Abzweigung Ri. Oberjettenberg rechts am Waldrand parken und links die Forststraße hinauf. In einer Linkskurve ist ein Steinmanderl, dort auf den steilen Waldpfad, der oben in den Mittersteig

Mittersteig

Mittersteig

mündet (den im Topo beschriebenen Jägerstand haben wir nicht gefunden). Ein paar Meter nach rechts dem Mittersteig folgen (der sich auf ca. 900 hm um den ganzen Berg herumzieht) und an der Abzweigung, wo der Laufsattelsteig herunterkommt, Rucksackdepot machen. Dann weiter auf dem Mittersteig Richtung Westen. Der Steig verliert sich im großen Windbruch

Windbruch

Windbruch

, irgendwie da schräg nach links oben durch, auf der anderen Seite des Windbruchs findet man ihn schon wieder und noch ein paar Meter weiter. Bei der ersten Rinne nach dem Windbruch den Mittersteig nach links verlassen und die Rinne hochgehen (zunächst angenehmer zu gehen auf der linken Seite der Rinne im Wald, nicht im trockenen Bachbett).

Zugstiegsrinne nach dem Windbruch

Zugstiegsrinne nach dem Windbruch

Oben – kurz vor der Wand – links halten und gehen bis es nicht mehr weitergeht – dort ist ein Klebehaken, der den Einstieg in die „Bombenfidel“ anzeigt.

Abstieg: durch das Latschenfeld in südlicher Richtung, der Weg verliert sich nach vielleicht 100 m und man kämpft sich durch dichte Latschen. Da gehört mal wieder was ausgesägt… nach vielleicht 300 m wird es lichter, dann stärker nach links (Ri. Osten) halten; im Süden sieht man durch die Bäume ein paar Gebäude auf der Hirschwies (wo die Bundeswehr sprengt). Durch den Wald vielleicht noch 400m, dann trifft man auf den Laufsattelsteig, markiert mit oft verblasster roter

Laufsattelsteig - tw ganz schön ausgesetzt

Laufsattelsteig – tw ganz schön ausgesetzt

Farbe, der sich ab dem Sattel dann spektakulär (grandiose Blicke auf die Wände des Alphorns) und sehr steil, teilweise richtig ausgesetzt nach unten und dann quer durch die Ostwand windet (man quert auch die Amann/Brüderl-Route „Men at work“, 19 Seillängen, die auf das Alphorn an der Reiteralpe führt). Bei Nässe dürfte dieser Steig richtig gefährlich werden, also Vorsicht! Es gibt nur an zwei Stellen fixe Drahtseile, an der ersten ist das Seil zudem gerissen. Ein paar hundert Höhenmeter weiter unten trifft man dann auf Mittersteig und das evtl. eingerichtete Rucksackdepot.

Maria und das Kind - in einem Schrein am Laufsattelsteig

Maria und das Kind – in einem Schrein am Laufsattelsteig

Tolle Ausblicke auf die Felsen rund um's Alphorn

Tolle Ausblicke auf die Felsen rund um’s Alphorn

Baum frisst Stein

Baum frisst Stein

Ausblick vom Laufsattelsteig

Ausblick vom Laufsattelsteig

Wandbuch - 68. Begehung

Wandbuch – 68. Begehung

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