Ein Silberpfeil auf den Buchstein

Hi climbers,

Anton, Pascal, Alfred und ich nutzten am vorletzten Freitag den einzigen Schönwettertag dieser Woche (und der davor, und der danach… :-/ ) zum Klettern an Ross- und Buchstein hinter Kreuth und nahe dem Tegernsee, neben dem Plankenstein DEN Münchener Kletterhausbergen schlechthin.

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Pascal kramt, Anton geht im Geiste die ersten Züge durch, Alfred staunt (v.l.n.r.)

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Alfred, Anton, Pascal (v.l.n.r.)

Nach den ergiebigen Regenfällen brauchten wir eine Südwand, die schnell abtrocknet. Hier erwies sich der Buchstein als gute Wahl. Dessen 150 Meter Kalkwand war weitgehend trocken. Weitgehend, denn in „Mann oder Memme“ (8- bzw. 7- in der „Memmen“-Variante), die Anton und ich zunächst ins Auge gefasst hatten, schien ausgerechnet die Schlüsselstelle nass.

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Ross- (links) und Buchstein in voller Pracht

Also schwenken wir um auf den „Silberpfeil“ , eingebohrt 1995 von Thomas Heßlinger und T. Linge, dessen vier Seillängen sich relativ homogen im 7. UIAA-Grad bewegen (angegeben mit 7+; 7; 7; 7+). Die erste Seillänge bietet beste, nahezu senkrechte Wandkletterei mit zwei Schlüsselstellen, deren erste mit einem Längenzug gesegnet ist. Kletterer über 1,75 m haben hier Vorteile. Anton (1,745 m) sah kein Land, während Kletterkönig Pascal (1,639 m) aus der uns nachfolgenden Seilschaft nach einigem Rumprobieren eine Lösung fand.

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Routenverlauf der „Silberpfeil“ (ungefähr)

Die zweite Schlüsselstelle ist kurz vor dem Stand: diffiziles Geschiebe mit sloperigen Fingerauflegern und schlechten Tritten. Ich hatte nach einigem Gezittere diese Stelle, die ich eher mit 8- als 7+ einstufen würde, im Vorstieg fast im Sack, der linke Fuß war schon auf dem (einzigen) guten, hohen Tritt, die linke Hand hatte schon den versteckten Seitgriff auf 11 Uhr gefunden, langsam über links aufstehen und mit Rechts an die größeren Griffe oberhalb greifen – und Abflug. Griffausbruch. Und ich flog und flog und dachte mir, mannoh, wann bremst das endlich? Das tat es natürlich, Anton hatte perfekt gesichert und ich hatte selten einen weicheren Sturz erlebt. Aber „normale“ Hakenabstände von vielleicht zwei oder zweieinhalb Metern, weit über dem letzten Haken stehen, ein bisschen Schlappseil und die Seildehnung addieren sich eben, da kommen schnell mal acht oder mehr Meter zusammen.

Seillänge zwei vom Silberpfeil war auch nett, aber eher unspektakulär. Die dritte Seillänge geht nach einem kleinen, kraftigen Start-Überhang senkrecht durch blockiges, fast lose aussehendes aber dennoch festes Gestein und wartet mit ein paar interessanten Einzelzügen auf. Nicht leicht für den 7. Grad. Die vierte SL geht erstmal etwas ausgesetzt einen senkrechten Pfeiler hoch (hier soll auch die 7+ sein, aber wenn, dann ist es eine leichte 7+), um dann in etwas geneigterem Gelände kurz unterhalb des Buchstein-Gipfels auszuklingen. Hier zog Anton wie ich vorher einen größeren Stein aus der Route. Trotz vieler Begehungen (abgespeckt ist die Tour aber keinesfalls) gibt es da loses Zeuch, Gestein und Wasser arbeiten, vor allem im Winter, und manchmal ist es trotz Vorsicht nicht vermeidbar, dass ein Kletterer was aus der Wand räumt. Generell aber ist der Fels der Buchstein Südwand sehr gut und griffig, und alles in allem bietet die „Silberpfeil“ tollen Klettergenuss mit guter Absicherung.

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„Langhammer“ auf die Rosssteinnadel – 8-/8

Nach ein paar Metern Abstieg war dann ein Weißbier auf der Terrasse der Tegernseer Hütte mit genialer Aussicht fällig, und anschließend machten wir uns – schon im Schatten – an die zwei Seillängen der Route „Langhammer“ (8-/8; 7), ebenfalls von Heßlinger und W. Lang 1997) an der Rosssteinnadel.

Den Einstiegsboulder an einem bauchigen Block hab ich schonmal vergeigt, weil ich zu früh, zu dynamisch und zu unkontrolliert mit rechts an die gut aussehenden Griffe schnappte und abflog – mit einem fetten Cut am rechten Zeigefinger. Nach dem Verarzten den Boulder etwas kontrollierter nochmal probiert, geschafft und dann an die Nadel und in die eigentliche Route rübergemacht.

Boah, kraftig-ausdauernde Kletterei im 8er-Bereich, ausgesetzt an der Ostseite der spektakulären Rosssteinnadel und mit recht weiten Zügen. Überall fette Ringe als Zwischensicherung; ist man dem Schwierigkeitsgrad nicht gewachsen, kann man auch jederzeit wieder abseilen. An der Schlüsselstelle musste ich leider aufgeben, da war onsight nix zu machen. Wie immer – sobald man die Griffe kennt, geht’s eigentlich leicht.

Weiter oben dann wurde die Lage etwas unübersichtlich: die Ringe gingen leicht links weiter, in noch schwereres Gelände, vielleicht im oberen 8. Grad, aus dem allerdings das Wasser tropfte. Leicht nach rechts ebenso Ringe und Bohrhaken. Wasser und der Grad passten (für mich) irgendwie nicht zusammen, und da ich eh schon ziemlich fertig war nach der psychisch wie physisch etwas herausfordernden Kletterei, querte ich ein oder zwei Meter nach rechts und machte nach vielleicht 30 Metern Stand an zwei Ringen, die einen Meter übereinander gesetzt waren. Von rechts kommt an dieser Stelle eine weitere Route herauf. Der Stand (die beiden Ringe waren gut mit einer 120er Schlinge zu verbinden; Verbindung mit Seil wär schwieriger gewesen, da aus der Kletterstellung heraus), wenngleich als solcher wohl nicht gedacht,  erwies sich als nicht schlecht, denn ich konnte Anton beim Nachsteigen bestens sehen und ebenso die nächste, auch nicht leichte Stelle (angegeben mit 7, würde eher auf 7+ tippen)  in der zweiten Seillänge im Vorstieg sichern. An einem Wulst musste sich Anton von links nach rechts an die Nadelkante rübermogeln, wobei da nur Reibungstritte sind und die Griffe nur auf Zug links und rechts gut sind – den „toten Punkt“ dazwischen muss man beherzt angehen.

Der Rest der Seillänge war purer Genuss, der Sonne entgegen, welche die Spitze des Rossstein noch beschien. Anton saß oben und sicherte mich direkt vom Gipfelkreuz hoch. Pascal und Alfred hatten noch die Route „Beschleuniger“ im Weißbiersektor direkt unterhalb der Tegernseer Hütte gemacht und kamen gerade den Weg runter; wir auf der Nadelspitze sitzend und die beiden Gegenüber, wir hätten schnell eine „Highline“ spannen und rüberslacken können.

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Blick nach Südosten; Guffert im Hintergrund

2 Gedanken zu „Ein Silberpfeil auf den Buchstein

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