Nikolausklettern: Brauneck, Zirkuskessel

Servus,

da es ja momentan bei fantastischem Hochdruckwetter auf der Höhe wärmer ist als unten, wollten Holger und ich nochmal T-Shirt-Klettern gehen: auf dem Lenggrieser Hausberg, der oben ein paar wunderschöne, überwiegend von der IG Klettern eingebohrte Kletterfelsen mit Südausrichtung zu bieten hat. Zudem fährt die Seilbahn auf’s Brauneck, was zwar bequem, aber auch zugegebenermaßen ein etwas teures Vergnügen ist (€19,- für Berg- und Talfahrt; „nur“ zwei € mehr als die Thalkirchner Kletterhalle in München für erwachsene Nicht-Alpenvereinsmitglieder).

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Abendstimmung am Brauneck

Wir starteten im Areal „Zirkuskessel“, keine 20 Gehminuten von der Bergstation der Bahn entfernt. Der Wandfuß der „Zirkuswand“ war schneefrei und die Sonne brannte herunter, wir kletterten in kurzen Hosen und T-Shirts. Zunächst gaben wir uns den „Schuppenterror“ (6, 22m) zum Aufwärmen. Nette Route, nicht alles ganz fester Fels. Dann eine (unfreiwillige) Kombination aus „Schneesturm“ (oberer Teil) und „Zirkusweg“ (unterer Teil) (insgesamt 7, ca. 33 m), denn die Routen kommen weiter oben recht nah zusammen. Der obere Teil des Schneesturms hat eine leicht abdrängende Stelle, die Entschlossenheit verlangt und einen rettenden guten Griff links oben hat. Wir wechselten zum Sektor „Tribüne“ und gaben uns dort die wunderschöne Route „Furchtfurche“ (7/7+), im Führer beschrieben mit „ein Muss“, und das stimmt. Eine vor allem im unteren Teil kaminartige Verschneidung, die sich oben unter einem kleinen Dach nach rechts windet, mit einem kraftigen Ausstieg. „Nichts für Plastikkletterer“ steht außerdem im Führer, und auch das stimmt. Sowas gibt’s nicht in der Halle: Klemmen, Spreizen, mehr oder weniger elegant sich mit allen exponierten Körperteilen nach oben schieben. Macht irre Spaß, und oben wird’s schon knifflig, löst sich aber sehr gut auf, wenn man sich traut, seinen Buckel gegen das Dach zu pressen und gleichzeitig die wunderbaren Untergriffe dort nutzt. Holger wollte das erste Mal nach rechts ausbüchsen und riss prompt ein paar handtellergroße Schuppen ab, die nach unten donnerten; dank Sicherungsbrille und hoher Aufmerksamkeit konnte ich noch nach links ausweichen. Nichts für Plastikkletterer! Und nen Helm sollte man halt auch aufhaben…

Weiter rechts ging dann der „Zirkusriss“ (7-) her, eine wunderschöne Kletterei an einem Riss entlang mit grandiosem Finale oben, absolut zu empfehlen. Ich ging das toprope, denn beim Ablassen hing ich die Exen gleich mal in die Route „Die neue alte Indirekte“ (9-) ein, eingebohrt 2009 von meinem Freund Valentin Manhart. Eine plattige, leicht geneigte und ca. 20 m hohe Route mit wasserzerfressenem, scharfkantigen Fels und tollen Felstaschen im Mittelteil. Die Crux ist ein schwerer Zug im unteren Teil: von einer guten Untergriffschuppe (rechte Hand; von dort möglichst auch die nächste Exe clippen!) geht es an scharfen, kleinen Seitgriffen nach links zu einer Wasserrille, die man mit der linken Hand auf Schulter nehmen muss; der linke Fuß steht mehr oder weniger nur auf Reibung und „kommt“ in dieser Situation ganz gerne mal. Rechte Hand zum schultergezogenen Griff, Körpergewicht nach links und mit rechts hoch angetreten (evtl. Knieklemmer machen, ist möglich!) – dann ist die Stelle geschafft. Dann erstmal leichter, mit wunderbaren Seitentaschen wiegesagt – und im oberen Drittel nochmal eine Stelle, die einen ganz gerne abwirft. Saugute Route, vielleicht ein bissl überbewertet, aber der untere Zug ist schon recht schwer. Er gelang mir aber beim zweiten Versuch, die Route zu gehen, und so wurde das eine schöne Rotpunkt-Neunminus für mich.

Im letzten Sonnenlicht packten wir unseren Kram und schafften locker die letzte Bahn um 16:30 – toller Tag.

"Die neue alte Indirekte" (9-) von Valentin Manhart

„Die neue alte Indirekte“ (9-) von Valentin Manhart

 

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4 Gedanken zu „Nikolausklettern: Brauneck, Zirkuskessel

  1. Hi Georg,

    ich war noch nie in Lengries/Brauneck zum Klettern. „Die neue alte Indirekte“ schaut gut aus – gibt es da oben noch mehr im 9. Grad?

    beste Grüße
    Felix

    Ps. nach wie vor, klaren Durchblick mit der Brille – vielen Dank noch mal! 😉

    • Servus Felix,
      das ist ja nett, dass Du hier vorbeischaust 🙂 Freut mich sehr, dass Du noch den Durchblick hast. Also, da oben am Brauneck, da ist nicht so viel los für so 10er-Kletterer wie Dich. 3-4 verstreute „echte“ 9er, nochmal 5-7 Routen im Bereich 8+, ein bissl mehr im 8er-Bereich. Bewertung ist teilweise etwas unstet, mit Ausschlägen sowohl nach oben als auch nach unten. Aber es ist schön, klasse Ausblick, und das Bier auf der Stie-Alm schmeckt auch gut 🙂
      Bis demnächst, vielleicht lernt man sich ja auch mal IRL kennen.
      Georg

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