Blut, Schweiß und Bremsen

Hi climbers,

war die Tage mit Holger zweimal in Nordwänden, bei der Hitze (36° im Tal im Schatten) eine Wohltat: einmal an der Reiteralpe / Alpawand nahe Lofer, wo wir die Tour „Wassersymphonie“ (8-) von Fritz Amann und Josef Brüderl mit 15 Seillängen in ca. sieben Stunden gehen konnten; und einen Tag später am Hinteren Feuerhörndl (auch Reiteralpe) die Route „Vorspeise“ (8+), acht Seillängen, ebenfalls von dem o.g. Erstbegeherduo. Beide Führen waren sehr gut eingebohrt, wobei die am Feuerhörndl doch einen deutlich ernsteren Charakter hat. Holger schrieb zur ersten Tour bereits einen Bericht im Forum: http://www.munichclimbers.de/forum/viewtopic.php?id=6297 ; da steht auch was zu den österreichischen Killerbremsen 😉

Schlüsselstelle (8-) in der "Wassersymphonie"

Schlüsselstelle (8-) in der „Wassersymphonie“

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Die Vorspeise war trotz ähnlicher Bewertungen gefühlt schwerer: 7er-Stellen in der „Wasser“ liefen gut rein, während man in der „Vorspeise“ schon deutlich mehr gefordert war. Insbesondere die sechste, 30m lange Seillänge (Bewertungen hier aber auch höher) hat es in sich und gehört zum Schwersten, was ich in Mehrseillängen bis jetzt versucht habe im Vorstieg.

Erste schwere Stelle der 6. Seillänge der "Vorspeise"

Erste schwere Stelle der 6. Seillänge der „Vorspeise“

An den Schlüsselstellen hängen zwei längere Schlingen, die zum Greifen doch sehr verlockend sind. Im Wesentlichen sind es drei schwere Stellen, von denen ich die erste noch onsighten konnte und die ich mit 7+/8- bewerten würde; die zweite dürfte die 8+ sein (auch hier gelang es mir, die verlockende Schlinge zu ignorieren), die mich leider abwarf und sich erst beim dritten Versuch ergab. Und weiter oben muss man, eh schon gepumpt, aus einem Riss rechts auf eine Platte rauf, was sich als recht unangenehm erweist, wenn man den Riss zu weit nach oben geklettert ist. Hier war’s mir dann wurscht, und ich machte die Stelle A0… Aber die Tour ist insgesamt so genial, dass ich mir gut vorstellen kann, sie nochmal zu gehen, dann hoffentlich rotpunkt.

Platten... nicht zu leicht.

Platten… nicht zu leicht.

Kritisch wurde es nochmal beim Abseilen: Brüderl & Amann empfehlen, vom obersten Stand aus (der direkt in den Sockel der Seilbahnstütze gebohrt wurde) 60 Meter zum Stand der sechsten Seillänge abzuseilen. Mit zwei 60 Meter langen Halbseilen sollte das dann eigentlich kein Problem sein. Holger war schon skeptisch, und sollte recht behalten: aufgrund des schrofigen und flachen Geländes der letzten Seillänge ließ er mich zunächst mit HMS langsam ab. Ich erreichte den Stand der 6. Seillänge, fixierte mich selbst, rief „Stand“ (was per Echo zu Holger kam), und wartete vergeblich drauf, dass Holger noch mehr Seil ausgab: Das Seil war voll ausgefahren und maximal gedehnt. Beide versuchten nun, unter Zug die Knoten auszubinden, was natürlich bei Holger am kritischsten war, denn die Gefahr bestand, dass ihm das Seil durch die Dehnung nach unten abhaute, sobald er sich ausgebunden hatte. Zudem zog ich ja unten noch kräftig, um Platz für das Aufknüpfen der ziemlich festgezogenen Achterknoten zu haben! Irgendwann gelang es uns beiden, uns auszubinden, und Holger konnte das Seil festhalten und sich selbst abseilen. Eine ungute Situation, die auch leicht hätte schiefgehen können.

Selfie an der Seilbahnstütze

Selfie an der Seilbahnstütze

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2 Gedanken zu „Blut, Schweiß und Bremsen

  1. Servus Georg,

    zu den tollen Touren kann man ja nur gratulieren. Du stößt wohl in immer höhere Schwierigkeitsgrade vor ! … wo soll das noch enden ? 🙂
    Mit den Bremsen an der Alpawand hab ich auch schon Bekanntschaft gemacht !!

    Gruß Daniel

  2. Hallo Daniel, danke für den netten Kommentar; ich habe die Befürchtung, dass es endlich ist, mit dem Vorstoß… bis dahin trainiere ich noch ein bischen, vielleicht geht ja noch mehr 😉 Bis bald mal!
    Georg

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